Für die Ausbreitung einer Pflanzenart in einer abgegrenzten Fläche werden zwei Modelle vorgeschlagen. Die insgesamt verfügbare Fläche beträgt höchstens \(300\,\text{m}^2\). Die Abbildung zeigt beide Modelle sowie später gemessene Flächenwerte.
Unbegrenztes exponentielles Modell: \(E(t)=50\cdot1{,}5^t\)
Begrenztes Modell: \(B(t)=300-250\cdot0{,}9^t\)
a) Zeige rechnerisch, dass beide Modelle bei \(t=0\) mit \(50\,\text{m}^2\) starten und bei \(t=1\) denselben Wert liefern.
b) Lies die in der Abbildung beschrifteten Messwerte bei \(t=2\) und \(t=4\) ab. Berechne die Werte beider Modelle zu diesen Zeitpunkten und vergleiche ihre absoluten Abweichungen von den Messwerten. Runde Modellwerte auf zwei Nachkommastellen.
c) Vergleiche das langfristige Verhalten der beiden Modelle mit der verfügbaren Fläche von höchstens \(300\,\text{m}^2\).
d) Entscheide auf Grundlage der späteren Messungen und der Kapazitätsgrenze, welches Modell weiterverwendet werden sollte. Erkläre, warum die Übereinstimmung im ersten Zeitintervall allein für diese Entscheidung nicht genügt.

Denkanstöße
- Prüfe zuerst Anfangswert und ersten Schritt beider Modelle; dort können unterschiedliche Modelle noch gleich aussehen.
- Entnimm für b) die beiden beschrifteten Messwerte direkt der Abbildung und vergleiche sie mit beiden Modellwerten am selben Zeitpunkt.
- Untersuche für das langfristige Verhalten, was mit \(1{,}5^t\) und mit \(0{,}9^t\) für große \(t\) geschieht.
- Eine Modellentscheidung sollte sowohl die beobachteten Daten als auch eine bekannte sachliche Grenze berücksichtigen.
Lösung
1. Es gilt \(E(0)=50\,\text{m}^2\) und \(B(0)=300-250=50\,\text{m}^2\). Außerdem ist \(E(1)=75\,\text{m}^2\) und \(B(1)=300-250\cdot0{,}9=75\,\text{m}^2\). Anfangswert und erster Schritt unterscheiden die Modelle daher noch nicht.
2. Aus der Abbildung liest man bei \(t=2\) den Messwert \(98\,\text{m}^2\) ab. Es gilt \(E(2)=112{,}50\,\text{m}^2\) und \(B(2)=300-250\cdot0{,}9^2=97{,}50\,\text{m}^2\). Die absoluten Abweichungen betragen \(14{,}50\,\text{m}^2\) beziehungsweise \(0{,}50\,\text{m}^2\).
3. Bei \(t=4\) liest man \(136\,\text{m}^2\) ab. Es gilt \(E(4)=253{,}125\,\text{m}^2\approx253{,}13\,\text{m}^2\) und \(B(4)=300-250\cdot0{,}9^4=135{,}975\,\text{m}^2\approx135{,}98\,\text{m}^2\). Mit den ungerundeten Modellwerten betragen die absoluten Abweichungen \(117{,}125\,\text{m}^2\) beziehungsweise \(0{,}025\,\text{m}^2\).
4. Das Modell \(E\) wächst unbegrenzt und überschreitet schließlich die verfügbare Fläche. Beim Modell \(B\) wird \(0{,}9^t\) immer kleiner, sodass sich \(B(t)\) der Grenze \(300\,\text{m}^2\) von unten nähert.
5. Die späteren Messpunkte liegen deutlich näher an \(B\), und nur \(B\) berücksichtigt die Kapazitätsgrenze. Deshalb sollte \(B\) weiterverwendet werden. Dass beide Modelle bei \(t=0\) und \(t=1\) dieselben Modellwerte liefern, reicht nicht aus, weil sie danach stark unterschiedliche Entwicklungen vorhersagen und bereits der Messwert bei \(t=1\) mit \(76\,\text{m}^2\) von ihrem gemeinsamen Modellwert \(75\,\text{m}^2\) abweicht.
Antwort
a) Beide Modelle liefern \(50\,\text{m}^2\) bei \(t=0\) und \(75\,\text{m}^2\) bei \(t=1\).
b) Aus der Abbildung: \(98\,\text{m}^2\) bei \(t=2\), \(136\,\text{m}^2\) bei \(t=4\). Bei \(t=2\): \(E=112{,}50\,\text{m}^2\), \(B=97{,}50\,\text{m}^2\); Abweichungen \(14{,}50\,\text{m}^2\) und \(0{,}50\,\text{m}^2\). Bei \(t=4\): \(E\approx253{,}13\,\text{m}^2\), \(B\approx135{,}98\,\text{m}^2\); mit den ungerundeten Modellwerten betragen die Abweichungen \(117{,}125\,\text{m}^2\) und \(0{,}025\,\text{m}^2\).
c) \(E\) wächst unbegrenzt; \(B\) nähert sich \(300\,\text{m}^2\).
d) Modell \(B\) sollte weiterverwendet werden, weil es sowohl die späteren Messungen als auch die Kapazitätsgrenze wesentlich besser berücksichtigt. Dass \(E\) und \(B\) bei \(t=0\) und \(t=1\) dieselben Modellwerte liefern, genügt nicht zur Modellwahl.