Ein Regenrückhaltebecken wird während eines Unwetters kontrolliert befüllt. Das Wasservolumen im Becken (in Kubikmetern, \(\text{m}^3\)) lässt sich für die ersten \(12\) Minuten durch die Funktion \(W(t) = -0{,}2t^3 + 3t^2 + 20t\) modellieren, wobei \(t\) die Zeit in Minuten seit Beginn der Messung angibt. Für das Modell wird angenommen, dass während dieses Zeitraums kein Wasser aus dem Becken abfließt.
a) Erläutere die Bedeutung der zweiten Ableitung \(W''(t)\) im Sachzusammenhang.
b) Berechne \(W''(2)\) und \(W''(8)\). Interpretiere die Vorzeichen der Ergebnisse im Hinblick auf die Änderung der Zuflussgeschwindigkeit.
c) Begründe mathematisch, warum man das Modell nicht über den angegebenen Zeitraum hinaus extrapolieren sollte (z. B. bis \(t = 15\)), wenn weiterhin eine Zunahme des Volumens beschrieben werden soll.
Denkanstöße
- Wenn die erste Ableitung eine Geschwindigkeit ist, was gibt dann die Ableitung dieser Geschwindigkeit an?
- Was sagt das Vorzeichen der zweiten Ableitung über das Krümmungsverhalten des Graphen aus?
- Überlege, was passieren müsste, damit das Volumen im Becken kleiner wird, und ob das zur Aufgabenstellung passt.
- Untersuche das Verhalten der Steigung für wachsende Zeitwerte.
Lösung
1. Die erste Ableitung \(W'(t)\) gibt die momentane Änderungsrate des Volumens an, also unter dieser Annahme die Zuflussgeschwindigkeit. Die zweite Ableitung \(W''(t)\) beschreibt somit die Änderung dieser Zuflussgeschwindigkeit pro Zeiteinheit (die „Beschleunigung“ des Füllvorgangs).
2. Berechnung der Ableitungen: \(W'(t) = -0{,}6t^2 + 6t + 20\) und \(W''(t) = -1{,}2t + 6\). Einsetzen der Werte: \(W''(2) = -1{,}2 \cdot 2 + 6 = 3{,}6\,\frac{\text{m}^3}{\text{min}^2}\) und \(W''(8) = -1{,}2 \cdot 8 + 6 = -3{,}6\,\frac{\text{m}^3}{\text{min}^2}\). Da \(W''(2) > 0\), nimmt die Zuflussgeschwindigkeit zum Zeitpunkt \(t = 2\) noch zu (die Kurve ist linksgekrümmt). Da \(W''(8) < 0\), nimmt die Zuflussgeschwindigkeit zum Zeitpunkt \(t = 8\) bereits wieder ab (die Kurve ist rechtsgekrümmt).
3. Bei einer Extrapolation über den angegebenen Modellzeitraum hinaus gilt \(W'(t) = -0{,}6t^2 + 6t + 20\). Für \(t = 15\) ergibt sich \(W'(15) = -0{,}6 \cdot 225 + 6 \cdot 15 + 20 = -135 + 90 + 20 = -25\,\frac{\text{m}^3}{\text{min}}\). Eine negative Änderungsrate bedeutet, dass das Volumen sinkt. Da das Modell unter der Annahme eines reinen Füllvorgangs verwendet wird, ist ein sinkendes Volumen im Sachzusammenhang nicht sinnvoll. Deshalb sollte das Modell nicht über den angegebenen Zeitraum hinaus extrapoliert werden, wenn weiterhin eine Zunahme des Volumens beschrieben werden soll.
Antwort
a) \(W''(t)\) beschreibt die Änderung der Zuflussgeschwindigkeit (Beschleunigung des Zuflusses).
b) \(W''(2) = 3{,}6\,\frac{\text{m}^3}{\text{min}^2}\) (Zunahme der Geschwindigkeit); \(W''(8) = -3{,}6\,\frac{\text{m}^3}{\text{min}^2}\) (Abnahme der Geschwindigkeit).
c) Bei einer Extrapolation auf \(t = 15\) wird die erste Ableitung negativ: \(W'(15) = -25\,\frac{\text{m}^3}{\text{min}}\). Das würde ein sinkendes Volumen bedeuten und widerspricht der Modellannahme, dass kein Wasser abfließt.