42732012
Beurteile die folgenden Aussagen im Kontext von Hypothesentests auf ihre Korrektheit und begründe deine Entscheidung kurz.
a) „Wählt man für einen Test ein kleineres Signifikanzniveau \(\alpha\), so verringert sich bei gleichbleibendem Stichprobenumfang stets auch die Wahrscheinlichkeit für den Fehler zweiter Art.“
b) „Die Wahrscheinlichkeit für den Fehler erster Art entspricht bei diskreten Verteilungen (wie der Binomialverteilung) in der Regel nicht exakt dem vorgegebenen Signifikanzniveau \(\alpha\).“
c) „Durch eine Vergrößerung des Stichprobenumfangs \(n\) lassen sich bei konstantem Signifikanzniveau beide Fehlertypen (Fehler erster und zweiter Art) gleichzeitig minimieren.“
Denkanstöße
- Überlege dir, wie sich der Ablehnungsbereich verschiebt, wenn man strengere Anforderungen an die Beweislast stellt.
- Denk an das Histogramm einer Binomialverteilung – kannst du jede beliebige Fläche unter den Balken exakt treffen?
- Was passiert mit der Genauigkeit einer Schätzung, wenn man mehr Daten sammelt?
Lösung
1. Aussage a) ist falsch. Ein kleineres \(\alpha\) führt zu einem kleineren Ablehnungsbereich. Dadurch wird es schwieriger, die Nullhypothese abzulehnen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, die Nullhypothese beizubehalten, obwohl sie falsch ist (Fehler zweiter Art \(\beta\)). Es besteht typischerweise ein Zielkonflikt: \(\alpha\) runter \(\implies \beta\) rauf.
2. Aussage b) ist wahr. Da die Binomialverteilung diskret ist, springen die kumulierten Wahrscheinlichkeiten in Stufen. Man sucht das größte \(k\) (oder kleinste \(k\)), sodass die Irrtumswahrscheinlichkeit noch unterhalb von \(\alpha\) liegt. Meistens wird dieser Wert \(\alpha\) nicht genau getroffen, sondern unterschritten.
3. Aussage c) ist wahr. Eine größere Stichprobe liefert mehr Informationen und führt zu einer schmaleren Verteilung der Testgröße. Dadurch kann der Ablehnungsbereich so angepasst werden, dass die Trennschärfe des Tests steigt, wodurch \(\beta\) sinkt, während das Risiko \(\alpha\) kontrolliert bleibt (oder sogar ebenfalls sinkt, falls gewünscht).
Antwort
a) Falsch. Eine Senkung von \(\alpha\) vergrößert im Allgemeinen den Fehler zweiter Art \(\beta\).
b) Wahr. Aufgrund der Sprungstellen der diskreten Binomialverteilung wird \(\alpha\) meist nur unterschritten, aber nicht exakt erreicht.
c) Wahr. Ein größerer Stichprobenumfang verbessert die Testgüte und ermöglicht die gleichzeitige Reduktion beider Fehlerrisiken.
