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55313912
Ein einseitiger Signifikanztest liefert auf dem Signifikanzniveau \(5\,\%\) ein signifikantes Ergebnis. Formuliere in eigenen Worten, 1. welche Testentscheidung damit getroffen wird, 2. was die Angabe \(5\,\%\) über das Testverfahren bedeutet, 3. und warum daraus keine Wahrscheinlichkeit dafür folgt, dass \(H_0\) oder die Gegenhypothese \(H_1\) wahr ist.

Denkanstöße

- Trenne die Testentscheidung von der Fehlerwahrscheinlichkeit des Verfahrens. - Unter welcher Bedingung ist das Signifikanzniveau als Fehlerwahrscheinlichkeit definiert? - Bezieht sich \(\alpha\) auf mögliche Stichprobenergebnisse bei angenommener Nullhypothese oder auf die Wahrheit der Hypothese nach Beobachtung der Daten?

Lösung

1. Ein signifikantes Ergebnis bedeutet, dass das beobachtete Stichprobenergebnis im vorab festgelegten Ablehnungsbereich liegt; \(H_0\) wird abgelehnt. 2. Das Signifikanzniveau von \(5\,\%\) begrenzt die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art: Wenn \(H_0\) wahr ist, lehnt das Testverfahren sie mit höchstens \(5\,\%\) Wahrscheinlichkeit ab. 3. Diese bedingte Fehlerwahrscheinlichkeit ist keine nach Beobachtung der Daten berechnete Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Hypothese wahr ist.

Antwort

1. \(H_0\) wird abgelehnt. 2. Ist \(H_0\) wahr, beträgt die Wahrscheinlichkeit eines fälschlichen Ablehnens durch das Testverfahren höchstens \(5\,\%\). 3. Daraus folgt weder \(P(H_0\mid\text{Daten})\leq5\,\%\) noch \(P(H_1\mid\text{Daten})\geq95\,\%\).
55314012
Bei einem einseitigen Signifikanztest liegt das beobachtete Stichprobenergebnis nicht im Ablehnungsbereich. Formuliere die zulässige Testentscheidung. Erkläre außerdem, warum dieses Ergebnis die Nullhypothese nicht beweist, und beziehe dabei den Fehler 2. Art ein.

Denkanstöße

- Welche Testentscheidung gehört zu einem Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs? - Ist „nicht ablehnen“ logisch dasselbe wie „beweisen“? - Welche Fehlerart beschreibt den Fall, dass \(H_0\) falsch ist, aber nicht abgelehnt wird?

Lösung

1. Da das Stichprobenergebnis nicht im Ablehnungsbereich liegt, wird \(H_0\) auf dem gewählten Signifikanzniveau nicht abgelehnt. 2. „Nicht ablehnen“ ist kein Beweis für \(H_0\). Auch wenn \(H_0\) falsch und die Gegenhypothese wahr ist, kann ein Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs auftreten. 3. Genau dieser Fall ist ein Fehler 2. Art: Eine falsche Nullhypothese wird nicht abgelehnt.

Antwort

\(H_0\) wird auf dem gewählten Signifikanzniveau nicht abgelehnt. Damit ist \(H_0\) nicht bewiesen, denn auch bei wahrer Gegenhypothese kann ein Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs auftreten; dann liegt ein Fehler 2. Art vor.
42730612
Ein Hersteller von Bio-Eiern behauptet, dass höchstens \(1\,\%\) der gelieferten Eier beschädigt sind (\(H_0: p \le 0{,}01\)). Ein Supermarkt prüft diese Angabe mit einem Signifikanztest auf einem Signifikanzniveau von \(\alpha = 5\,\%\). a) Erkläre, was ein Fehler 1. Art in diesem Sachzusammenhang bedeutet und wie groß die Wahrscheinlichkeit für ein solches Fehlurteil höchstens ist. b) Das Stichprobenergebnis liegt im Ablehnungsbereich der Nullhypothese. Ein Mitarbeiter des Supermarkts stellt fest: „Damit ist nun absolut sicher bewiesen, dass die Angabe des Herstellers falsch ist und mehr als \(1\,\%\) der Eier beschädigt sind.“ Beurteile die Aussage des Mitarbeiters aus statistischer Sicht.

Denkanstöße

- Überlege dir zuerst, welche Entscheidung getroffen wird und welcher reale Zustand dazu im Widerspruch steht. - Welche Rolle spielt das Signifikanzniveau bei der Begrenzung von Risiken? - Kann eine Stichprobe jemals eine Eigenschaft der gesamten Produktion mit \(100\,\%\) Sicherheit belegen? - Unterscheide zwischen einer „bewiesenen Aussage“ und einer „statistisch signifikanten Abweichung“.

Lösung

1. Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn \(H_0\) abgelehnt wird, obwohl \(H_0\) wahr ist. Das Signifikanzniveau \(\alpha=5\,\%\) begrenzt die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses: \(P(\text{Ablehnung von }H_0\mid H_0\text{ wahr})\le0{,}05\). 2. Ein signifikantes Ergebnis bedeutet deshalb nicht, dass \(H_0\) mit Wahrscheinlichkeit höchstens \(5\,\%\) wahr ist. Das Signifikanzniveau ist keine nach Beobachtung der Daten berechnete Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit einer Hypothese. 3. Zulässig ist nur die testbezogene Aussage: Das beobachtete Ergebnis liegt im vorab festgelegten Ablehnungsbereich; unter einer wahren Nullhypothese tritt eine solche Fehlentscheidung mit höchstens \(5\,\%\) Wahrscheinlichkeit auf. Daraus folgt kein sicherer Beweis der Gegenhypothese.

Antwort

a) \(\alpha=5\,\%\) bedeutet: Wenn \(H_0\) wahr ist, beträgt die Wahrscheinlichkeit, \(H_0\) fälschlich abzulehnen, höchstens \(5\,\%\). b) Ein signifikantes Ergebnis ist kein sicherer Beweis für \(H_1\). Insbesondere liefert \(\alpha\) nicht die Wahrscheinlichkeit, dass \(H_0\) nach dem beobachteten Ergebnis wahr oder falsch ist.
42731312
Ein Hersteller von Solarmodulen gibt an, dass mindestens \(90\,\%\) der produzierten Module die volle Leistung erreichen. Ein Qualitätsprüfer verwendet die Nullhypothese \(H_0:p\geq0{,}90\) bei einem Signifikanzniveau von \(\alpha=5\,\%\). Die Stichprobe führt zur Ablehnung von \(H_0\). Nehmen wir nun an, dass die wahre Erfolgswahrscheinlichkeit des zugrunde liegenden Produktionsprozesses tatsächlich \(p=0{,}93\) beträgt. Der Produktionsleiter meint deshalb, die Ablehnung müsse auf einen Fehler bei der Durchführung des Tests zurückgehen. Beurteile diese Aussage und benenne die statistische Situation.

Denkanstöße

- Prüfe zuerst, ob \(p=0{,}93\) zur Nullhypothese \(H_0:p\geq0{,}90\) gehört. - Wie heißt es, wenn eine tatsächlich wahre Nullhypothese verworfen wird? - Welche Rolle spielt das Signifikanzniveau für genau diese Art von Fehlentscheidung?

Lösung

1. Da die wahre Erfolgswahrscheinlichkeit \(p=0{,}93\) beträgt, ist \(H_0:p\ge0{,}90\) tatsächlich wahr. 2. Die Ablehnung einer wahren Nullhypothese ist ein Fehler 1. Art. 3. Ein Signifikanztest ist ein probabilistisches Verfahren. Das Signifikanzniveau \(\alpha=5\,\%\) begrenzt am Randwert der Nullhypothese die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art; bei anderen Parameterwerten aus \(H_0\) ist sie höchstens so groß. 4. Die Aussage des Produktionsleiters ist daher falsch. Auch bei korrektem Vorgehen kann durch Zufall ein Stichprobenergebnis im Ablehnungsbereich liegen.

Antwort

Der Produktionsleiter hat nicht recht. Bei \(p=0{,}93\) ist \(H_0:p\ge0{,}90\) wahr. Dass der Test \(H_0\) dennoch verwirft, ist ein Fehler 1. Art. Für wahre Parameterwerte aus \(H_0\) wird die Wahrscheinlichkeit einer solchen Fehlentscheidung durch das Signifikanzniveau auf höchstens \(5\,\%\) begrenzt. Das Auftreten eines Fehlers 1. Art bedeutet daher nicht, dass der Test methodisch falsch durchgeführt wurde.
43105712
Ein Hersteller von Rauchmeldern behauptet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Fehlalarms unter festgelegten Testbedingungen höchstens \(1\,\%\) beträgt. Ein Verbraucherschutzverein vermutet eine höhere Quote. Er wählt zufällig \(200\) Geräte aus einer großen Produktion aus und prüft sie unabhängig unter denselben Bedingungen. a) Formuliere Null- und Gegenhypothese. b) Beschreibe den Fehler 1. Art und den Fehler 2. Art im Sachzusammenhang. c) Erläutere mögliche praktische Folgen beider Fehlerarten für Hersteller und Verbraucher.

Denkanstöße

- Die Herstellerangabe gehört in die Nullhypothese. - Formuliere den Fehler 1. Art als falschen Schluss nach Ablehnung von \(H_0\). - Formuliere den Fehler 2. Art als nicht erkannte Überschreitung der Quote. - Trenne wirtschaftliche Folgen von Folgen für die Produktsicherheit und Nutzung.

Lösung

1. Es gilt \(H_0:p\leq0{,}01\) und \(H_1:p>0{,}01\). 2. Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn auf eine Fehlalarmquote über \(1\,\%\) geschlossen wird, obwohl die Quote höchstens \(1\,\%\) beträgt. 3. Ein Fehler 2. Art liegt vor, wenn \(H_0\) nicht verworfen wird, obwohl die Fehlalarmquote tatsächlich über \(1\,\%\) liegt. 4. Ein Fehler 1. Art kann zu ungerechtfertigter Rufschädigung, zusätzlichen Prüfungen oder Rückrufen führen. Ein Fehler 2. Art kann Verbraucher mit unzuverlässigen Geräten belasten und dazu führen, dass Warnungen weniger ernst genommen werden.

Antwort

a) \(H_0:p\leq0{,}01\); \(H_1:p>0{,}01\). b) Fehler 1. Art: Eine zulässige Fehlalarmquote wird fälschlicherweise beanstandet. Fehler 2. Art: Eine tatsächlich zu hohe Fehlalarmquote wird nicht erkannt. c) Mögliche Folgen sind ungerechtfertigte Kosten und Rufschäden für den Hersteller beziehungsweise unzuverlässige Warnungen für Verbraucher.
55314112
Bei einer Landtagswahl in einem fiktiven Bundesland erhielt eine Partei \(48\,\%\) der Stimmen. Vor der nächsten Wahl wird in einer zufälligen Befragung geprüft, ob ihr aktueller Unterstützungsanteil unter \(48\,\%\) liegt. Es wird \(H_0:p\ge0{,}48\) gegen \(H_1:p<0{,}48\) getestet. Das Ergebnis liegt nicht im Ablehnungsbereich. Formuliere zwei Aussagen: a) Was darf man über den aktuellen Unterstützungsanteil auf dem gewählten Signifikanzniveau sagen? b) Welche weitergehende Aussage über das tatsächliche Wahlergebnis wäre nicht gerechtfertigt?

Denkanstöße

- Welche Testentscheidung folgt daraus, dass der Stichprobenwert nicht im Ablehnungsbereich liegt? - Ist eine nicht verworfene Nullhypothese damit bewiesen? - Welche zusätzlichen Unsicherheiten bestehen zwischen einer zufälligen Befragung und dem späteren Wahlergebnis?

Lösung

1. Da das Ergebnis nicht im Ablehnungsbereich liegt, wird \(H_0\) nicht verworfen. Die Befragung liefert auf dem gewählten Niveau keine hinreichende statistische Evidenz für einen aktuellen Anteil unter \(48\,\%\). 2. Daraus folgt weder, dass der aktuelle Anteil mindestens \(48\,\%\) bewiesen ist, noch lässt sich das spätere Wahlergebnis sicher vorhersagen. Eine Umfrage ist eine Stichprobe und unterliegt Zufallsschwankungen; außerdem kann sich die Unterstützung bis zur Wahl verändern.

Antwort

a) Die Daten stützen auf dem gewählten Niveau keinen aktuellen Unterstützungsanteil unter \(48\,\%\); \(H_0\) wird nicht verworfen. b) Nicht gerechtfertigt wäre etwa: „Die Partei wird bei der nächsten Wahl sicher mindestens \(48\,\%\) erreichen.“
55314212
Ein rechtsseitiger Test verwendet \(H_0:p\le0{,}30\). Die Abbildung zeigt die Binomialverteilung am Randwert \(p_0=0{,}30\), den als \(K\) gekennzeichneten Ablehnungsbereich und den beobachteten Stichprobenwert \(x=8\). Formuliere die Testentscheidung und eine präzise inhaltliche Interpretation. Erkläre außerdem, welche Aussage nicht aus dem Diagramm folgt.
Abbildung zur Aufgabe 553142

Denkanstöße

- Vergleiche zuerst die Position von \(x=8\) mit dem markierten Bereich \(K\). - Welche Entscheidung ist vorgesehen, wenn der beobachtete Wert nicht zu \(K\) gehört? - Trenne die Testentscheidung von einer Aussage darüber, ob die Nullhypothese „wahr bewiesen“ ist.

Lösung

1. Der im Diagramm markierte Ablehnungsbereich beginnt bei \(10\); der beobachtete Wert ist \(x=8\). 2. Damit gilt \(8\notin K\), also wird \(H_0\) nicht abgelehnt. 3. Die Stichprobe liefert auf dem gewählten Testniveau keine hinreichende Evidenz für \(p>0{,}30\). 4. Nicht zulässig ist die Schlussfolgerung, dass \(p\le0{,}30\) bewiesen sei; ein Ergebnis im Nichtablehnungsbereich kann auch bei einer falschen Nullhypothese auftreten.

Antwort

\(H_0\) wird nicht verworfen, weil \(8\notin K\). Die Daten stützen keinen Anteil über \(30\,\%\) auf dem gewählten Niveau. Nicht folgt daraus, dass \(p\le0{,}30\) bewiesen ist.
55699012
Ein linksseitiger Test verwendet \(H_0:p\ge0{,}60\). Die Abbildung zeigt die Binomialverteilung am Randwert \(p_0=0{,}60\), den direkt mit \(K\) markierten Ablehnungsbereich und den mit \(x\) markierten beobachteten Stichprobenwert. Formuliere die Testentscheidung und eine präzise inhaltliche Interpretation. Nenne außerdem eine Aussage über \(p\), die aus dem signifikanten Ergebnis nicht folgt.
Abbildung zur Aufgabe 556990

Denkanstöße

- Lies zuerst ab, ob die mit \(x\) markierte Beobachtung innerhalb oder außerhalb von \(K\) liegt. - Formuliere anschließend nur die Richtung, die der einseitige Test statistisch stützt. - Trenne ein signifikantes Ergebnis von einem Beweis oder einer Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit einer Hypothese.

Lösung

1. Der markierte Ablehnungsbereich reicht bis einschließlich \(7\); die Beobachtung liegt bei \(x=6\). 2. Damit gilt \(6\in K\), also wird \(H_0\) abgelehnt. 3. Die Stichprobe liefert auf dem gewählten Signifikanzniveau statistische Evidenz dafür, dass \(p<0{,}60\) ist. 4. Daraus folgt weder ein sicherer Beweis für \(p<0{,}60\) noch eine nachträgliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass \(H_0\) wahr oder falsch ist.

Antwort

\(H_0\) wird abgelehnt, weil \(6\in K\). Die Daten stützen auf dem gewählten Signifikanzniveau einen Anteil unter \(60\,\%\). Nicht folgt daraus, dass \(p<0{,}60\) sicher bewiesen ist oder dass das Signifikanzniveau die Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit von \(H_0\) angibt.
42722712
Ein Hersteller von LED-Leuchtmitteln behauptet, dass mindestens \(90\,\%\) seiner Produkte eine Betriebsdauer von über \(20{,}000\) Stunden erreichen. Für die Untersuchung werden \(100\) Leuchtmittel zufällig aus der Produktion ausgewählt und unter vergleichbaren Bedingungen unabhängig geprüft. 1. Gehe davon aus, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit genau \(p=0{,}90\) beträgt. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass höchstens \(85\) Leuchtmittel die angegebene Betriebsdauer erreichen. 2. Ein Verbraucherschutzverein vermutet eine geringere Quote und führt einen linksseitigen Signifikanztest mit \(\alpha=0{,}05\) durch. Bestimme den Ablehnungsbereich \(K\) für \(H_0:p\geq0{,}90\). 3. Erkläre den methodischen Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeitsrechnung und beurteilender Statistik.

Denkanstöße

- Überlege dir, welche Informationen in der ersten Teilaufgabe als sicher angenommen werden. - Wie gehst du vor, wenn du die Grenze suchst, ab der ein Ergebnis als „zu unwahrscheinlich“ gilt? - Betrachte den Weg der Erkenntnis: Geht man von der Gesamtheit zur Stichprobe oder umgekehrt?

Lösung

1. Für \(n=100\) und \(p=0{,}90\) gilt \(P(X\leq85)=\sum_{i=0}^{85}\binom{100}{i}0{,}90^i0{,}10^{100-i}\approx0{,}0726\). 2. Gesucht ist der größte Wert \(k\), für den am Rand der Nullhypothese \(P_{p=0{,}90}(X\leq k)\leq0{,}05\) gilt. Es ist \(P(X\leq84)\approx0{,}0399\) und \(P(X\leq85)\approx0{,}0726\). Daher ist der Ablehnungsbereich \(K=\{0;1;\dots;84\}\). 3. In Teil 1 ist das Modell fest vorgegeben und die Wahrscheinlichkeit eines Stichprobenergebnisses wird berechnet. In Teil 2 wird ein unbekannter Parameter anhand eines Stichprobenergebnisses beurteilt.

Antwort

1. \(P(X\leq85)\approx7{,}26\,\%\). 2. \(K=\{0;1;\dots;84\}\). 3. Wahrscheinlichkeitsrechnung leitet bei bekanntem Modell Wahrscheinlichkeiten für Stichprobenergebnisse ab; beurteilende Statistik nutzt Stichprobendaten zur Prüfung von Aussagen über unbekannte Parameter.
42723512
Ein Politiker hatte bei der letzten Wahl einen Stimmenanteil von \(52\,\%\). In einer aktuellen Umfrage unter \(200\) zufällig ausgewählten Wahlberechtigten geben \(98\) Personen an, diesen Politiker wählen zu wollen. Es soll geprüft werden, ob die Zustimmung in der Bevölkerung gesunken ist. Beurteile die Stichhaltigkeit der folgenden drei Aussagen: 1. „Da \(98\) weniger als der Erwartungswert von \(104\) ist, ist der Stimmenanteil definitiv gesunken.“ 2. „Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Anteil von \(52\,\%\) genau \(98\) Personen für den Politiker stimmen, beträgt nur etwa \(3{,}9\,\%\). Da dieser Wert sehr klein ist, muss die Annahme von \(52\,\%\) falsch sein.“ 3. „Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Grundgesamtheit von \(52\,\%\) zufällig \(98\) oder weniger Befürworter zu finden, liegt bei etwa \(21{,}8\,\%\). Das ist ein plausibles Ergebnis für eine Zufallsschwankung.“

Denkanstöße

- Was sagt der Erwartungswert über ein einzelnes Stichprobenergebnis aus? - Warum sind Punktwahrscheinlichkeiten bei großen Stichproben oft ungeeignet für Tests? - Wie hängen Zufallsschwankungen und Signifikanz zusammen? - Welche Rolle spielt die kumulierte Wahrscheinlichkeit bei der Beurteilung eines Rückgangs?

Lösung

1. Die Aussage ist nicht stichhaltig. Der Erwartungswert \(\mu = n \cdot p = 200 \cdot 0{,}52 = 104\) gibt lediglich den Durchschnittswert an. Da Stichproben Zufallsschwankungen unterliegen, belegt ein Ergebnis unterhalb des Erwartungswerts allein noch keine Veränderung der Grundgesamtheit. 2. Die Aussage ist nicht stichhaltig. In einer Binomialverteilung sind Einzelwahrscheinlichkeiten \(P(X = k)\) bei großem \(n\) fast immer sehr klein. Für eine statistische Entscheidung ist nicht die Punktwahrscheinlichkeit, sondern die kumulierte Wahrscheinlichkeit des betrachteten Bereichs (hier \(P(X \le 98)\)) entscheidend. 3. Die Aussage ist stichhaltig. Mit \(P(X \le 98) \approx 0{,}2181\) liegt das Ergebnis im Bereich üblicher Zufallsschwankungen. Für den linksseitigen Test \(H_0:p\geq0{,}52\) gegen \(H_1:p<0{,}52\) wird am Randwert \(p_0=0{,}52\) gerechnet. Da dieser \(p\)-Wert deutlich über üblichen Signifikanzniveaus wie \(5\,\%\) oder \(1\,\%\) liegt, wird \(H_0\) nicht verworfen.

Antwort

1. Nicht stichhaltig, da Zufallsschwankungen um den Erwartungswert normal sind. 2. Nicht stichhaltig, da Einzelwahrscheinlichkeiten bei großen Stichproben immer klein sind; entscheidend ist die kumulierte Wahrscheinlichkeit. 3. Stichhaltig, da eine Wahrscheinlichkeit von \(21{,}8\,\%\) für einen Wert von höchstens \(98\) zeigt, dass das Ergebnis nicht signifikant gegen die \(52\,\%\)-Annahme spricht.
42723612
Ein Hardware-Hersteller behauptet, dass der Anteil defekter Speicherchips in seiner Produktion höchstens \(5\,\%\) beträgt. Ein Großkunde entnimmt aus einer größeren Lieferung zufällig \(150\) Chips und testet sie unabhängig unter gleichen Bedingungen. Dabei findet er \(12\) defekte Exemplare und vermutet eine höhere Fehlerquote. Untersuche diese Vermutung auf dem Signifikanzniveau \(\alpha=5\,\%\). 1. Stelle \(H_0\) und \(H_1\) auf. 2. Berechne unter \(p=0{,}05\) die Wahrscheinlichkeit für mindestens \(12\) defekte Chips. 3. Entscheide, ob die Vermutung statistisch gestützt wird.

Denkanstöße

- Welche Seite der Verteilung musst du betrachten, wenn du einen Anstieg der Fehlerquote vermutest? - Wie berechnet man die Wahrscheinlichkeit für „mindestens \(k\) Treffer“ mithilfe der kumulierten Verteilungsfunktion? - Wann gilt ein Ergebnis als „signifikant“ im Vergleich zum vorgegebenen \(\alpha\)?

Lösung

1. Nullhypothese \(H_0: p \le 0{,}05\) (Herstellerangabe stimmt), Gegenhypothese \(H_1: p > 0{,}05\) (Fehlerquote ist höher). 2. Unter der Annahme \(p = 0{,}05\) ist die Zufallsgröße \(X\) (Anzahl defekter Chips) binomialverteilt mit \(n = 150\). Es ist \(P(X \ge 12) = 1 - P(X \le 11)\). Mit der Formel der Binomialverteilung oder Tabellen ergibt sich \(P(X \le 11) \approx 0{,}9260\). Somit ist \(P(X \ge 12) \approx 1 - 0{,}9260 = 0{,}0740\), also ca. \(7{,}4\,\%\). 3. Da der berechnete \(p\)-Wert von \(0{,}0740\) größer ist als das Signifikanzniveau \(\alpha = 0{,}05\), liegt das Ergebnis noch im Nichtablehnungsbereich der Nullhypothese. Die Abweichung vom Erwartungswert (\(\mu = 7{,}5\)) ist zwar vorhanden, aber statistisch nicht signifikant genug, um die Herstellerangabe zu widerlegen.

Antwort

1. \(H_0: p \le 0{,}05\); \(H_1: p > 0{,}05\). 2. \(P(X \ge 12) \approx 0{,}0740\). 3. Die Vermutung einer Fehlerquote über \(5\,\%\) wird nicht statistisch gestützt, da \(0{,}0740>0{,}05\). Die Nullhypothese wird nicht verworfen; dadurch ist die Herstellerangabe nicht bewiesen.
42725112
Ein Statistiker diskutiert einen Signifikanztest mit Nullhypothese \(H_0\) und Gegenhypothese \(H_1\). Ein Kollege behauptet: „Wenn der Ablehnungsbereich \(K\) alle möglichen Stichprobenergebnisse umfasst, kann kein Fehler 2. Art mehr auftreten. Gleichzeitig wird dadurch auch das Risiko für einen Fehler 1. Art minimiert.“ 1. Beurteile die Aussage zum Fehler 2. Art. 2. Bestimme die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art, wenn \(K\) die gesamte Ergebnismenge umfasst. 3. Erläutere, warum ein sinnvoller Test die beiden Fehlerwahrscheinlichkeiten gegeneinander abwägen muss.

Denkanstöße

- Welche Entscheidung wird getroffen, wenn jedes mögliche Ergebnis in \(K\) liegt? - Was muss für Fehler 1. Art beziehungsweise Fehler 2. Art jeweils wahr sein? - Prüfe als Gegenextrem auch \(K=\emptyset\).

Lösung

1. Wenn \(K\) die gesamte Ergebnismenge umfasst, wird \(H_0\) bei jedem möglichen Ergebnis abgelehnt. Daher kann \(H_0\) bei wahrer Gegenhypothese nicht fälschlich nicht abgelehnt werden; \(\beta=0\). 2. Ist \(H_0\) wahr, wird sie dennoch bei jedem Ergebnis abgelehnt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art \(\alpha=1\). 3. Der extreme Ablehnungsbereich beseitigt Fehler 2. Art nur um den Preis eines sicheren Fehlers 1. Art. Umgekehrt hätte \(K=\emptyset\) zwar \(\alpha=0\), aber \(\beta=1\). Ein brauchbarer Test benötigt daher einen nichttrivialen Kompromiss.

Antwort

1. Die Aussage zu Fehler 2. Art ist richtig: \(\beta=0\). 2. \(\alpha=1\). 3. Ein Extremwert von \(K\) setzt einen Fehlertyp auf \(0\), macht den anderen aber maximal; deshalb ist ein Kompromiss nötig.
42725412
Beurteile die folgenden Aussagen im Kontext der statistischen Testtheorie (Signifikanztests) auf ihre Richtigkeit und begründe deine Entscheidung kurz. 1. „Das Signifikanzniveau \(\alpha\) gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der die Nullhypothese wahr ist, wenn sie durch den Test abgelehnt wurde.“ 2. „Bei einem festen Stichprobenumfang \(n\) führt eine Verkleinerung des Ablehnungsbereichs stets dazu, dass die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art sinkt, während die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art steigt.“ 3. „Durch eine Erhöhung des Stichprobenumfangs \(n\) ist es theoretisch möglich, sowohl die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art als auch die für den Fehler 2. Art gleichzeitig zu verringern.“

Denkanstöße

- Erinnere dich an die Definition des Signifikanzniveaus: Welche Bedingung wird vorausgesetzt? - Stell dir die Verteilungen unter der Null- und Gegenhypothese vor. Was passiert mit den Flächeninhalten unter den Kurven, wenn man die Grenze verschiebt? - Welchen Einfluss hat die Stichprobengröße auf die Genauigkeit einer Schätzung? - Unterscheide klar zwischen der Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis und der „Wahrscheinlichkeit“, dass eine feste Behauptung stimmt.

Lösung

1. Die Aussage ist falsch. Das Signifikanzniveau \(\alpha\) beschreibt eine bedingte Fehlerwahrscheinlichkeit des Testverfahrens und keine Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Hypothese wahr ist. 2. Die Aussage ist wahr. Ein kleinerer Ablehnungsbereich bedeutet, dass \(H_0\) seltener abgelehnt wird. Dadurch sinkt das Risiko, eine wahre Nullhypothese fälschlich abzulehnen. Für einen festen konkreten Alternativwert steigt gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, im Nichtablehnungsbereich zu landen, obwohl \(H_0\) falsch ist; damit steigt \(\beta\). 3. Die Aussage ist wahr. Ein größerer Stichprobenumfang führt zu stärker konzentrierten Verteilungen der relativen Häufigkeit. Dadurch können die Verteilungen am Randwert \(p_0\) und bei einem festen konkreten Alternativwert besser getrennt werden, sodass geeignete Testregeln beide Fehlerwahrscheinlichkeiten gegenüber einem kleineren Stichprobenumfang verringern können.

Antwort

1. Falsch; \(\alpha\) ist die Wahrscheinlichkeit für die Ablehnung unter der Bedingung, dass \(H_0\) wahr ist. 2. Wahr; es besteht ein direkter Zielkonflikt zwischen beiden Fehlern bei konstantem \(n\). 3. Wahr; mehr Information (größeres \(n\)) erlaubt eine präzisere Trennung der Hypothesen.
42725912
Bei dem bisherigen Produktionsverfahren für Solarzellen lag die Defektquote bei \(5\,\%\). Ein Hersteller behauptet, dass die Defektquote der mit einem neuen Verfahren produzierten Zellen unter diesem festen historischen Referenzwert liegt. Eine zufällige Stichprobe aus der neuen Produktion soll untersucht werden; die Defektzustände werden als unabhängig mit einer konstanten Wahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. 1. Stelle Null- und Gegenhypothese für einen linksseitigen Signifikanztest auf und erläutere den Fehler 1. Art. 2. Stelle die Hypothesen für einen rechtsseitigen Test mit \(H_0:p\leq0{,}05\) auf und erläutere auch hier den Fehler 1. Art. 3. Beurteile aus Kundensicht, welcher Test für die Werbeaussage „Defektquote unter \(5\,\%\)“ angemessener ist. Erläutere außerdem, warum ein Ein-Stichproben-Vergleich mit dem historischen Referenzwert allein nicht beweist, dass das neue Verfahren die Ursache einer möglichen Verbesserung ist.

Denkanstöße

- Die Aussage, die statistisch gestützt werden soll, gehört in die Gegenhypothese. - Formuliere den Fehler 1. Art jeweils als falschen Schluss nach Ablehnung von \(H_0\). - Unterscheide den Nachweis einer niedrigeren aktuellen Quote von der Erklärung, wodurch diese Quote entstanden ist.

Lösung

1. Für den linksseitigen Test gilt \(H_0:p\geq0{,}05\) und \(H_1:p<0{,}05\). Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn auf eine Defektquote unter \(5\,\%\) geschlossen wird, obwohl sie tatsächlich mindestens \(5\,\%\) beträgt. 2. Für den rechtsseitigen Test gilt \(H_0:p\leq0{,}05\) und \(H_1:p>0{,}05\). Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn auf eine Defektquote über \(5\,\%\) geschlossen wird, obwohl sie tatsächlich höchstens \(5\,\%\) beträgt. 3. Für die Werbeaussage ist der linksseitige Test angemessen, weil die behauptete niedrigere Defektquote in der Gegenhypothese steht und statistische Evidenz erfordert. Der Test vergleicht die neue Produktion jedoch nur mit einem historischen Wert. Ohne gleichzeitig produzierte, vergleichbare Kontrollgruppe können andere Unterschiede zwischen Zeiträumen oder Produktionsbedingungen nicht ausgeschlossen werden; eine kausale Wirkung des Verfahrens ist daher nicht nachgewiesen.

Antwort

1. \(H_0:p\geq0{,}05\); \(H_1:p<0{,}05\). Fehler 1. Art: Eine Defektquote unter \(5\,\%\) wird behauptet, obwohl sie nicht vorliegt. 2. \(H_0:p\leq0{,}05\); \(H_1:p>0{,}05\). Fehler 1. Art: Eine zu hohe Defektquote wird behauptet, obwohl die Quote höchstens \(5\,\%\) beträgt. 3. Der linksseitige Test ist für die Werbeaussage angemessen. Er belegt allein jedoch keine kausale Wirkung des neuen Verfahrens.
42726012
An einer gefährlichen Kreuzung lag der Anteil von Beinahe-Unfällen unter klar definierten kritischen Verkehrssituationen bisher bei \(12\,\%\). Nach Einführung eines neuen Assistenzsystems wird eine repräsentative Auswahl solcher Situationen nach denselben Kriterien erfasst; die Ergebnisse werden als unabhängig mit einer konstanten Wahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Die Stadt möchte prüfen, ob die aktuelle Quote unter dem festen historischen Referenzwert liegt. 1. Erläutere den Unterschied zwischen einem linksseitigen Test mit \(H_0:p\geq0{,}12\) und einem rechtsseitigen Test mit \(H_0:p\leq0{,}12\). 2. Beschreibe die Konsequenz eines Fehlers 2. Art beim linksseitigen Test. 3. Entscheide, welcher Test geeignet ist, wenn nur bei statistischer Evidenz für eine niedrigere aktuelle Quote investiert werden soll. Erläutere außerdem, warum dieser historische Ein-Stichproben-Vergleich allein nicht beweist, dass das Assistenzsystem die Ursache einer möglichen Senkung ist.

Denkanstöße

- Prüfe, ob kleine oder große Werte von \(p\) die gewünschte Veränderung darstellen. - Ein Fehler 2. Art bedeutet, dass eine wahre Gegenhypothese nicht erkannt wird. - Unterscheide einen historischen Vorher-Nachher-Vergleich von einem Design, das Kausalität stützen kann.

Lösung

1. Der linksseitige Test prüft \(H_0:p\geq0{,}12\) gegen \(H_1:p<0{,}12\) und sucht Evidenz für eine niedrigere aktuelle Quote. Der rechtsseitige Test prüft \(H_0:p\leq0{,}12\) gegen \(H_1:p>0{,}12\) und sucht Evidenz für eine höhere aktuelle Quote. 2. Ein Fehler 2. Art beim linksseitigen Test liegt vor, wenn \(H_0\) nicht verworfen wird, obwohl die aktuelle Quote tatsächlich unter \(12\,\%\) liegt. Die Stadt könnte dadurch auf eine Investition verzichten, obwohl die aktuelle Situation günstiger ist als der Referenzwert. 3. Der linksseitige Test ist geeignet, weil die gewünschte niedrigere Quote in der Gegenhypothese steht. Der Test vergleicht jedoch nur aktuelle Daten mit einem historischen Wert. Andere Veränderungen im Verkehrsaufkommen, in der Straßengestaltung oder im Verhalten können die Quote ebenfalls beeinflussen; ohne geeignete gleichzeitige Vergleichsbedingungen lässt sich die Senkung nicht kausal dem System zuschreiben.

Antwort

1. Linksseitig: Test auf eine niedrigere aktuelle Quote. Rechtsseitig: Test auf eine höhere aktuelle Quote. 2. Fehler 2. Art: Eine tatsächlich niedrigere Quote wird nicht erkannt. 3. Der linksseitige Test ist passend. Er liefert gegebenenfalls Evidenz für eine niedrigere aktuelle Quote, beweist aber nicht, dass das Assistenzsystem deren Ursache ist.
42726912
Eine Stadtverwaltung behauptet, dass \(60\,\%\) der Bürgerinnen und Bürger mit dem Ausbau des Radwegenetzes zufrieden sind. Eine lokale Initiative bezweifelt dies und vermutet eine geringere Zufriedenheit. Es werden \(50\) Personen zufällig befragt. a) Stelle Nullhypothese und Gegenhypothese für einen linksseitigen Test auf dem Signifikanzniveau \(10\,\%\) auf. b) Bestimme den Ablehnungsbereich. c) Berechne die tatsächlich erreichte Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art als Prozentwert auf zwei Dezimalstellen. d) Erläutere Fehler 1. Art im Sachzusammenhang. e) In der Umfrage sind genau \(26\) Personen zufrieden. Triff die Testentscheidung.

Denkanstöße

- Welche geringere Zufriedenheit soll statistisch gestützt werden? - Welche kumulierte Wahrscheinlichkeit darf für den größten Wert in \(K\) höchstens \(10\,\%\) betragen? - Unterscheide das nominale Signifikanzniveau von der tatsächlich erreichten Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art. - Vergleiche \(26\) erst nach der Kalibrierung mit \(K\).

Lösung

1. Es gilt \(H_0:p\ge0{,}6\) gegen \(H_1:p<0{,}6\). 2. Am Randwert \(p_0=0{,}6\) gilt \(X\sim B(50;0{,}6)\). Es ist \(P(X\le25)\approx0{,}0978\) und \(P(X\le26)\approx0{,}1562\). Daher ist \(K=\{0;1;\dots;25\}\). 3. Die tatsächlich erreichte Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art ist \(P_{0{,}6}(X\le25)\approx0{,}0978=9{,}78\,\%\). 4. Fehler 1. Art bedeutet hier, dass die Initiative eine Zufriedenheit unter \(60\,\%\) statistisch stützt, obwohl tatsächlich \(p\ge0{,}6\) gilt. 5. Da \(26\notin K\), wird \(H_0\) nicht abgelehnt.

Antwort

a) \(H_0:p\ge0{,}6\); \(H_1:p<0{,}6\) b) \(K=\{0;1;\dots;25\}\) c) \(9{,}78\,\%\) d) Eine tatsächlich zutreffende Quote von mindestens \(60\,\%\) wird fälschlich in Zweifel gezogen. e) Da \(26\notin K\), wird \(H_0\) nicht abgelehnt.
42727012
Ein Hersteller von Spezialdünger definiert „Zielwachstum“ als eine Zunahme der Pflanzenhöhe um mindestens \(15\,\text{cm}\) innerhalb von acht Wochen unter festgelegten Kulturbedingungen. Er behauptet, dass mindestens \(80\,\%\) der behandelten Pflanzen dieses Ziel erreichen. Ein unabhängiges Institut wählt zufällig \(80\) behandelte Pflanzen aus der Zielpopulation aus; die Ergebnisse werden als unabhängig mit einer konstanten Wahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Für ein Qualitätssiegel soll geprüft werden, ob die Erfolgsquote sogar über \(80\,\%\) liegt. a) Formuliere Null- und Gegenhypothese. b) Ermittle den Ablehnungsbereich auf dem Signifikanzniveau \(5\,\%\). c) Berechne die tatsächliche Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art am Randwert. d) Erläutere ohne Rechnung, wie sich eine Senkung des Signifikanzniveaus auf \(1\,\%\) auf den Ablehnungsbereich und das Risiko einer irrtümlichen Siegelvergabe auswirkt.

Denkanstöße

- Nutze die objektive Definition des Zielwachstums als Erfolgskriterium. - Eine Erfolgsquote über \(80\,\%\) führt zu einem rechtsseitigen Test. - Verwende für den Ablehnungsbereich den Randwert \(p=0{,}8\). - Ein kleineres Signifikanzniveau verlangt stärkere Evidenz für die Siegelvergabe.

Lösung

1. Es gilt \(H_0:p\leq0{,}8\) und \(H_1:p>0{,}8\). 2. Es handelt sich um einen rechtsseitigen Test. Gesucht ist das kleinste \(k\), für das \(P_{0{,}8}(X\geq k)\leq0{,}05\) gilt. 3. Für \(X\sim B(80;0{,}8)\) gilt \(P(X\leq69)\approx0{,}9435\) und \(P(X\leq70)\approx0{,}9713\). Daher ist \(k=71\), und der Ablehnungsbereich ist \(K=\{71,72,\dots,80\}\). 4. Am Randwert ist \(\alpha=P_{0{,}8}(X\geq71)=1-P_{0{,}8}(X\leq70)\approx0{,}0287\). 5. Bei einem kleineren Signifikanzniveau muss der Ablehnungsbereich kleiner werden; seine Untergrenze steigt. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, das Siegel zu vergeben, obwohl die Erfolgsquote höchstens \(80\,\%\) beträgt.

Antwort

a) \(H_0:p\leq0{,}8\); \(H_1:p>0{,}8\). b) \(K=\{71,72,\dots,80\}\). c) \(\alpha\approx2{,}87\,\%\). d) Der Ablehnungsbereich wird kleiner und die Untergrenze steigt; das Risiko einer irrtümlichen Siegelvergabe sinkt.
42727812
Bei einer etablierten Referenzbehandlung treten innerhalb eines festgelegten Beobachtungszeitraums bei \(15\,\%\) der geeigneten Patientinnen und Patienten Nebenwirkungen auf. Für ein neues, deutlich teureres Präparat soll an einer zufälligen Stichprobe von \(500\) Anwenderinnen und Anwendern unter vergleichbaren Bedingungen geprüft werden, ob seine absolute Nebenwirkungsrate unter diesem festen Referenzwert liegt. Die Ergebnisse werden als unabhängig mit einer konstanten Wahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Gewählt wird \(H_0:p\geq0{,}15\). Gib an, welche Fehlentscheidung durch diese Nullhypothese und ein kleines Signifikanzniveau besonders streng kontrolliert wird. Begründe unter Berücksichtigung der höheren Kosten, warum diese Testausrichtung sinnvoll sein kann. Erläutere außerdem, warum der Ein-Stichproben-Vergleich allein keine kausale Überlegenheit gegenüber der Standardbehandlung nachweist.

Denkanstöße

- Formuliere, welcher Schluss nach einer Ablehnung von \(H_0\) gezogen wird. - Das Signifikanzniveau kontrolliert die Wahrscheinlichkeit einer fälschlichen Ablehnung von \(H_0\). - Berücksichtige die Kosten einer falschen positiven Verbesserungsentscheidung. - Unterscheide einen Vergleich mit einem festen Referenzwert von einem randomisierten direkten Behandlungsvergleich.

Lösung

1. Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn \(H_0\) verworfen wird, obwohl \(p\geq0{,}15\) gilt. Dann wird fälschlicherweise auf eine Nebenwirkungsrate unter \(15\,\%\) geschlossen. 2. Das Signifikanzniveau \(\alpha\) begrenzt die Wahrscheinlichkeit dieses Fehlers. Ein kleines \(\alpha\) verlangt starke Evidenz, bevor eine niedrigere Nebenwirkungsrate angenommen wird. 3. Da das neue Präparat teurer ist, schützt diese Testausrichtung vor einer Umstellung aufgrund einer nur scheinbaren Verbesserung. 4. Der Test vergleicht die neue Behandlung jedoch nur mit einem festen Referenzwert. Ohne gleichzeitig behandelte, zufällig zugewiesene Kontrollgruppe können Unterschiede in Patientengruppen oder Bedingungen nicht ausgeschlossen werden; eine kausale Überlegenheit gegenüber der Standardbehandlung ist daher nicht nachgewiesen.

Antwort

Kontrolliert wird der Fehler 1. Art: der falsche Schluss, dass die Nebenwirkungsrate unter \(15\,\%\) liegt. Ein kleines \(\alpha\) schützt vor einer teuren Umstellung ohne ausreichende Evidenz. Der Ein-Stichproben-Test belegt jedoch ohne randomisierte Kontrollgruppe keine kausale Überlegenheit gegenüber der Standardbehandlung.
42727912
Ein Hersteller von Präzisionsbauteilen behauptet, dass höchstens \(2\,\%\) seiner Produkte Ausschuss sind. Ein Großabnehmer möchte diese Angabe vor der Annahme einer großen Lieferung mithilfe einer Stichprobe überprüfen. 1. Bestimme die Nullhypothese \(H_0\) und die Gegenhypothese \(H_1\) aus der Sicht des Herstellers, wenn der Test die Einhaltung seiner Qualitätszusage statistisch stützen soll. 2. Bestimme die Nullhypothese \(H_0\) und die Gegenhypothese \(H_1\) aus der Sicht des Abnehmers, wenn dieser eine zu hohe Fehlerquote statistisch beanstanden möchte. 3. Erläutere, warum die Wahl der Nullhypothese einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wer durch den Signifikanztest bei gleichem Signifikanzniveau \(\alpha\) besser geschützt wird.

Denkanstöße

- Welche Aussage soll der jeweilige Test statistisch stützen? - Die Aussage, die statistisch gestützt werden soll, wird als Gegenhypothese \(H_1\) formuliert. - Was passiert, wenn die Stichprobe genau auf dem Grenzwert liegt? - Wer trägt das Risiko, wenn die Entscheidung aufgrund des Stichprobenzufalls falsch ausfällt?

Lösung

1. Der Hersteller möchte die Einhaltung seiner Qualitätszusage statistisch stützen. Dazu muss das Gegenteil als Nullhypothese abgelehnt werden. Daher wählt der Hersteller \(H_0: p \ge 0{,}02\) und \(H_1: p < 0{,}02\) (linksseitiger Test). 2. Der Abnehmer möchte eine zu hohe Fehlerquote beanstanden. Er geht im Zweifel von der Einhaltung der Zusage aus und sucht nach Evidenz für eine Überschreitung. Daher wählt er \(H_0: p \le 0{,}02\) und \(H_1: p > 0{,}02\) (rechtsseitiger Test). 3. Die Nullhypothese ist die Annahme, die nur bei starken Gegenbeweisen (durch das Signifikanzniveau \(\alpha\) begrenzt) verworfen wird. Beim Test des Abnehmers wird die Lieferung nur abgelehnt, wenn die Fehlerquote signifikant über \(2\,\%\) liegt; dies schützt den Hersteller vor irrtümlicher Reklamation. Beim Test des Herstellers wird die Qualität nur zertifiziert, wenn die Fehlerquote signifikant unter \(2\,\%\) liegt; dies schützt den Abnehmer vor mangelhafter Ware.

Antwort

1. Hersteller: \(H_0: p \ge 0{,}02\); \(H_1: p < 0{,}02\). 2. Abnehmer: \(H_0: p \le 0{,}02\); \(H_1: p > 0{,}02\). 3. Die Nullhypothese wird nicht verworfen, solange die Stichprobe nicht signifikant gegen sie spricht. Beim Abnehmertest \(H_0: p \le 0{,}02\) begrenzt \(\alpha\) das Risiko, eine konforme Lieferung irrtümlich abzulehnen, und schützt damit den Hersteller. Beim Herstellertest \(H_0: p \ge 0{,}02\) wird die gute Qualität erst nach Ablehnung von \(H_0\) statistisch gestützt; dadurch wird das Risiko des Abnehmers kontrolliert, mangelhafte Ware fälschlicherweise zu zertifizieren.
42728012
Ein Abfüller von Mineralwasser gibt an, dass mindestens \(98\,\%\) der Flaschen die angegebene Füllmenge korrekt einhalten. Eine Verbraucherschutzorganisation vermutet jedoch eine geringere Quote und führt einen Signifikanztest durch. 1. Formuliere die Hypothesen für den Test der Verbraucherschutzorganisation und benenne den Testtyp. 2. Im Kontext dieses Tests treten zwei Arten von Fehlern auf. Beschreibe den Fehler 1. Art und den Fehler 2. Art in diesem Sachzusammenhang. 3. Diskutiere, welches Interesse der Abfüller an einem möglichst kleinen Signifikanzniveau \(\alpha\) hat und welche Auswirkung dies auf das Risiko der Verbraucherschutzorganisation hat, eine falsche Angabe des Abfüllers nicht zu entdecken.

Denkanstöße

- Welche Behauptung soll angegriffen werden? - Erinnere dich an die Definition: Fehler 1. Art ist das Ablehnen einer wahren Nullhypothese. - Wie hängen die Wahrscheinlichkeiten für die beiden Fehlerarten zusammen, wenn man den Stichprobenumfang nicht verändert? - Überlege, für wen eine falsche öffentliche Anschuldigung schlimmer wäre und wer das Risiko unentdeckter Mängel trägt.

Lösung

1. Die Organisation möchte statistisch stützen, dass die Quote \(p\) geringer als \(0{,}98\) ist. Daher gilt \(H_0:p\ge0{,}98\) gegen \(H_1:p<0{,}98\); es handelt sich um einen linksseitigen Signifikanztest. 2. Fehler 1. Art: Die Organisation kommt zu dem Schluss, dass weniger als \(98\,\%\) der Flaschen korrekt befüllt sind, obwohl \(H_0\) wahr ist. Fehler 2. Art: Die Organisation stellt keine signifikante Abweichung fest und lehnt \(H_0\) nicht ab, obwohl tatsächlich weniger als \(98\,\%\) der Flaschen korrekt befüllt sind. 3. Ein kleines \(\alpha\) begrenzt das Risiko des Abfüllers, zu Unrecht öffentlich kritisiert zu werden. Bei festem Stichprobenumfang vergrößert ein strengeres Signifikanzniveau jedoch für einen festen konkreten Alternativwert typischerweise die Wahrscheinlichkeit \(\beta\) für Fehler 2. Art. Damit steigt das Risiko der Verbraucherschutzorganisation, ein tatsächliches Defizit nicht nachweisen zu können.

Antwort

1. \(H_0: p \ge 0{,}98\); \(H_1: p < 0{,}98\); linksseitiger Signifikanztest. 2. Fehler 1. Art: Behauptung wird fälschlicherweise als falsch eingestuft. Fehler 2. Art: Eine falsche Behauptung wird fälschlicherweise nicht beanstandet. 3. Der Abfüller möchte \(\alpha\) klein halten, um nicht fälschlich beschuldigt zu werden. Dies erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit \(\beta\), dass die Verbraucherschutzorganisation eine tatsächlich zu niedrige Quote nicht erkennt.
42728412
In einer Stadt wird über ein neues Leihfahrradsystem diskutiert. Der Stadtrat legt als politische Entscheidungsschwelle fest, dass mehr als \(30\,\%\) der Bevölkerung in einer standardisierten Befragung angeben müssen, das Angebot voraussichtlich nutzen zu wollen. Dazu werden \(250\) Bürgerinnen und Bürger zufällig ausgewählt. Die Antworten werden als unabhängig mit einer konstanten Zustimmungswahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. a) Begründe die Wahl von \(H_0:p\le0{,}30\), wenn das Risiko einer Förderung bei zu geringer erklärter Nutzungsabsicht begrenzt werden soll. b) Bestimme die Entscheidungsregel auf dem Signifikanzniveau \(5\,\%\). c) In der Befragung geben \(85\) Personen an, das System nutzen zu wollen. Welche Testentscheidung folgt? d) Erläutere, warum die Befragung allein weder die tatsächliche spätere Nutzung noch die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Systems nachweist.

Denkanstöße

- Unterscheide die in der Befragung gemessene Absicht von tatsächlichem Verhalten. - Welche hohen Zustimmungszahlen sprechen gegen \(H_0:p\le0{,}30\)? - Vergleiche \(85\) mit dem Ablehnungsbereich. - Welche zusätzlichen Informationen wären für eine Aussage über Wirtschaftlichkeit nötig?

Lösung

1. Mit \(H_0:p\le0{,}30\) wird eine Förderung aufgrund einer scheinbar hohen erklärten Nutzungsabsicht erst bei ausreichender statistischer Evidenz vorgenommen. Das Risiko eines Fehlers 1. Art wird durch das Signifikanzniveau begrenzt. 2. Es handelt sich um einen rechtsseitigen Test. Am Randwert \(p_0=0{,}30\) gilt \(X\sim B(250;0{,}30)\). Es ist \(P(X\le86)\approx0{,}9423\) und \(P(X\le87)\approx0{,}9563\). Daher ist \(K=\{88;89;\dots;250\}\). 3. Da \(85\notin K\), wird \(H_0\) nicht abgelehnt. 4. Eine geäußerte Nutzungsabsicht kann von der späteren Nutzung abweichen. Außerdem hängt die wirtschaftliche Tragfähigkeit von weiteren Nachfrage- und Kostendaten ab.

Antwort

a) Die Wahl von \(H_0\) begrenzt das Risiko, aufgrund einer Stichprobe fälschlich auf eine erklärte Nutzungsabsicht über \(30\,\%\) zu schließen. b) \(K=\{88;89;\dots;250\}\) c) Bei \(X=85\) wird \(H_0\) nicht abgelehnt. d) Erklärte Nutzungsabsicht ist weder tatsächliche Nutzung noch ein vollständiger Wirtschaftlichkeitsnachweis.
42728712
Ein Reiseunternehmen möchte eine neue Abenteuerreise in sein Programm aufnehmen. Dies ist jedoch mit hohen Fixkosten für Marketing und Organisation verbunden. Die Geschäftsführung entscheidet sich nur dann für das Angebot, wenn mehr als \(20\,\%\) der Stammkunden Interesse an dieser Reise bekunden. Um das Risiko einer Fehlinvestition gering zu halten, wird eine Umfrage unter \(150\) zufällig ausgewählten Stammkunden durchgeführt. Die Geschäftsführung testet die Nullhypothese \(H_0: p \leq 0{,}20\) auf einem Signifikanzniveau von \(\alpha = 5\,\%\). a) Bestimme die zugehörige Entscheidungsregel für diesen Signifikanztest. b) Erläutere, warum die Wahl dieser Nullhypothese \(H_0\) dem Ziel der Geschäftsführung entspricht, das finanzielle Risiko einer Fehlinvestition zu minimieren. Gehe dabei auf den Fehler 1. Art ein.

Denkanstöße

- Überlege zuerst, ob es sich um einen linksseitigen oder einen rechtsseitigen Test handelt, indem du schaust, bei welchen Werten die Nullhypothese abgelehnt wird. - Was genau ist das Ziel der Geschäftsführung? Welches Ereignis soll mit hoher Sicherheit vermieden werden? - Erinnere dich an die Definition des Fehlers 1. Art: Was bedeutet es in diesem Fall, die Nullhypothese fälschlicherweise abzulehnen? - Nutze das Tafelwerk oder die kumulierten Werte der Binomialverteilung für die entsprechenden Parameter.

Lösung

1. Aufstellen der Testparameter: Es handelt sich um einen rechtsseitigen Signifikanztest mit \(n = 150\), \(p_0 = 0{,}20\) und \(\alpha = 0{,}05\). Die Zufallsgröße \(X\) beschreibt die Anzahl der interessierten Kunden und ist unter \(H_0\) binomialverteilt mit \(B(150; 0{,}20)\). 2. Bestimmung des Ablehnungsbereichs: Gesucht ist das kleinste \(k\), für das gilt: \(P(X \geq k) \leq 0{,}05\). Dies ist äquivalent zu \(P(X \leq k-1) \geq 0{,}95\). 3. Aus der Tabelle der Binomialverteilung oder durch Berechnung ergibt sich für \(n=150\) und \(p=0{,}20\): \(P(X \leq 38) \approx 0{,}9554\) und \(P(X \leq 39) \approx 0{,}9707\). Somit ist bereits \(k-1 = 38\), also \(k = 39\). 4. Entscheidungsregel: Der Ablehnungsbereich ist \(\{39; 40; \dots; 150\}\). Die Reise wird angeboten, wenn sich mindestens \(39\) der befragten Kunden interessiert zeigen. 5. Interpretation des Fehlers 1. Art: Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn \(H_0\) abgelehnt wird, obwohl sie wahr ist. Im Sachkontext bedeutet dies: Es wird fälschlicherweise angenommen, dass das Interesse groß genug ist (\(p > 0{,}20\)), und die Reise wird angeboten, obwohl in Wahrheit höchstens \(20\,\%\) der Kunden interessiert sind. Durch das geringe Signifikanzniveau wird die Wahrscheinlichkeit für diese kostspielige Fehlentscheidung auf höchstens \(5\,\%\) begrenzt.

Antwort

a) Die Nullhypothese \(H_0\) wird abgelehnt, wenn sich mindestens \(39\) Kunden interessiert zeigen. Der Ablehnungsbereich ist \(\{39; 40; \dots; 150\}\). b) Durch die Wahl von \(H_0: p \leq 0{,}20\) wird der Fehler 1. Art kontrolliert. Dieser besteht darin, die Reise anzubieten (Ablehnung von \(H_0\)), obwohl das tatsächliche Interesse zu gering ist. Da dieses Risiko (Fehlinvestition) als besonders schwerwiegend erachtet wird, begrenzt man dessen Wahrscheinlichkeit durch das Signifikanzniveau \(\alpha\).
42730512
Beurteile die folgenden Aussagen zur Interpretation von Signifikanztests auf ihre Richtigkeit und begründe deine Entscheidung kurz: a) Bei einem einseitigen Test werden für \(\alpha=5\,\%\) und \(\alpha=10\,\%\) jeweils die üblichen maximalen Ablehnungsbereiche in derselben Testrichtung gewählt. Wenn \(H_0\) bei \(\alpha=5\,\%\) abgelehnt wird, dann wird sie bei demselben Stichprobenergebnis auch bei \(\alpha=10\,\%\) abgelehnt. b) Ein Testergebnis im Nichtablehnungsbereich beweist, dass die Nullhypothese wahr ist. c) Führt man denselben Signifikanztest unter identischen Bedingungen mit einer neuen, unabhängigen Stichprobe desselben Umfangs durch, so muss die Testentscheidung zwingend genauso ausfallen wie beim ersten Mal.

Denkanstöße

- Wie verändert sich der Bereich der „extremen“ Werte, wenn man mehr Irrtumswahrscheinlichkeit zulässt? - Gibt es in der Statistik absolute Beweise oder arbeiten wir mit Wahrscheinlichkeiten? - Was passiert, wenn man ein Zufallsexperiment wiederholt? Sind die Ergebnisse immer identisch? - Denke an die Definition des Fehlers 2. Art.

Lösung

1. Analyse von Aussage a): Unter der ausdrücklich genannten Konstruktion werden die maximalen einseitigen Ablehnungsbereiche in derselben Richtung gewählt. Beim größeren Signifikanzniveau darf der Ablehnungsbereich entsprechend erweitert werden; der maximale Bereich für \(5\,\%\) ist daher im maximalen Bereich für \(10\,\%\) enthalten. Die Aussage ist unter dieser Voraussetzung wahr. 2. Analyse von Aussage b): Ein Ergebnis im Nichtablehnungsbereich bedeutet nur, dass die Abweichung der Stichprobe von der Erwartung unter der Nullhypothese nicht groß genug ist, um als signifikant zu gelten. Es könnte jedoch ein Fehler 2. Art vorliegen (die Nullhypothese ist falsch, aber die Stichprobe zeigt dies nicht). Ein Beweis für die Richtigkeit von \(H_0\) ist dies nicht. Die Aussage ist falsch. 3. Analyse von Aussage c): Da die Testgröße von einer Zufallsstichprobe abhängt, unterliegt sie Zufallsschwankungen. Eine neue Stichprobe kann zu einem anderen Wert der Testgröße führen, der in einem Fall knapp im Ablehnungsbereich und im anderen Fall knapp außerhalb liegt. Die Aussage ist falsch.

Antwort

a) Wahr unter der genannten Konstruktion maximaler einseitiger Ablehnungsbereiche: Der Bereich für \(\alpha=5\,\%\) ist im Bereich für \(\alpha=10\,\%\) enthalten. b) Falsch. Es kann lediglich gesagt werden, dass die Nullhypothese nicht abgelehnt wird; ein Fehler 2. Art bleibt möglich. c) Falsch. Aufgrund von Zufallsschwankungen in der Stichprobe kann die Testgröße bei einer Wiederholung andere Werte annehmen und zu einer anderen Entscheidung führen.
42731412
Um zu prüfen, ob ein neues Werbebanner eine Klickrate von mehr als \(8\,\%\) erzielt, wird ein Signifikanztest mit der Nullhypothese \(H_0:p\le0{,}08\) auf einem Signifikanzniveau von \(\alpha=5\,\%\) durchgeführt. Das Ergebnis der Stichprobe liefert keinen Grund, die Nullhypothese abzulehnen. Ein Marketing-Mitarbeiter folgert daraufhin: „Damit ist nun statistisch bewiesen, dass das Banner die Zielvorgabe von \(8\,\%\) auf keinen Fall erreicht.“ Beurteile die Schlussfolgerung des Mitarbeiters aus mathematischer Sicht. Gehe dabei auf die Bedeutung der Nichtablehnung einer Hypothese und den Fehler 2. Art ein.

Denkanstöße

- Bedeutet „nicht abgelehnt“ automatisch, dass die Nullhypothese wahr ist? - Was könnte passieren, wenn die tatsächliche Klickrate nur knapp über dem Grenzwert liegt? - Wann liegt ein Fehler 2. Art vor? - Trenne eine Testentscheidung von einem Beweis über den wahren Parameter.

Lösung

1. Dass \(H_0\) nicht abgelehnt wurde, bedeutet nur, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um \(H_0\) auf dem gewählten Signifikanzniveau abzulehnen. Es ist kein Beweis für \(H_0\). 2. Es besteht das Risiko eines Fehlers 2. Art. Dieser tritt auf, wenn \(H_0\) nicht abgelehnt wird, obwohl sie falsch ist, hier also bei einer tatsächlichen Klickrate über \(8\,\%\). 3. Beispielsweise könnte die wahre Klickrate knapp über \(8\,\%\) liegen, ohne dass die Stichprobe genügend Evidenz für eine Ablehnung von \(H_0\) liefert. 4. Die Behauptung, die Zielvorgabe sei statistisch widerlegt, ist daher unzulässig.

Antwort

Die Schlussfolgerung ist mathematisch nicht haltbar. Die Nichtablehnung von \(H_0\) beweist \(H_0\) nicht. Es kann ein Fehler 2. Art vorliegen: Die wahre Klickrate könnte über \(8\,\%\) liegen, obwohl die Stichprobe nicht zur Ablehnung von \(H_0\) geführt hat.
55699112
Bei der letzten Landtagswahl in einem fiktiven Bundesland erhielt eine Partei \(40\,\%\) der Stimmen. In einer aktuellen zufälligen Befragung von \(800\) Wahlberechtigten geben \(295\) Personen an, die Partei derzeit unterstützen zu wollen. Die Antworten werden als unabhängig mit einer konstanten aktuellen Unterstützungswahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Es wird auf dem Signifikanzniveau \(5\,\%\) getestet: \(H_0:p\ge0{,}40\) gegen \(H_1:p<0{,}40\). Ein Nachrichtenportal schreibt anschließend: „Die beim Test berechnete Wahrscheinlichkeit ist zugleich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Partei aktuell noch mindestens \(40\,\%\) Unterstützung hat. Deshalb ist außerdem sicher, dass sie bei der nächsten Wahl unter \(40\,\%\) bleiben wird.“ a) Berechne die für die Testentscheidung relevante Wahrscheinlichkeit und triff die Testentscheidung. b) Beurteile beide Schlussfolgerungen des Nachrichtenportals.

Denkanstöße

- Welche Randwahrscheinlichkeit ist bei einem linksseitigen Test relevant? - Berechne die Testwahrscheinlichkeit, bevor du den Kommentar beurteilst. - Worauf bezieht sich diese Wahrscheinlichkeit tatsächlich: auf mögliche Stichprobenergebnisse oder auf die Wahrheit einer Hypothese? - Trenne eine Aussage über aktuelle Unterstützung von einer sicheren Vorhersage einer späteren Wahl.

Lösung

1. Beim linksseitigen Test wird am Randwert \(p_0=0{,}40\) die Wahrscheinlichkeit eines mindestens so kleinen Ergebnisses berechnet. Für \(X\sim B(800;0{,}40)\) gilt \(P(X\le295)\approx0{,}03805\). 2. Da \(0{,}03805<0{,}05\), wird \(H_0\) abgelehnt. Die Befragung liefert statistische Evidenz für einen aktuellen Unterstützungsanteil unter \(40\,\%\). 3. Die Zahl \(3{,}81\,\%\) ist die Wahrscheinlichkeit, unter \(p_0=0{,}40\) ein Ergebnis von höchstens \(295\) zu erhalten. Sie ist nicht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass \(H_0\) wahr ist. 4. Ein signifikanter aktueller Rückgang sagt das spätere Wahlergebnis nicht sicher voraus; Stichprobenzufall und mögliche Änderungen bis zur Wahl bleiben bestehen.

Antwort

a) \(P_{0{,}40}(X\le295)\approx0{,}03805=3{,}81\,\%\). Daher wird \(H_0\) abgelehnt. b) Beide Schlussfolgerungen sind unzulässig. Die \(3{,}81\,\%\) sind keine Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit von \(H_0\), und die aktuelle Umfrage beweist kein späteres Wahlergebnis unter \(40\,\%\).
42729412
Bei Pflanzen, die unter festgelegten Behandlungsbedingungen mit einem biologischen Düngemittel kultiviert werden, soll untersucht werden, ob der Anteil der Pflanzen, die eine Zielwuchshöhe erreichen, über einem Referenzwert von \(80\,\%\) liegt. Der Referenzwert stammt aus früheren unbehandelten Versuchen. a) Welche Nullhypothese \(H_0\) muss gewählt werden, wenn eine Erfolgsrate über dem Referenzwert statistisch gestützt werden soll? b) Beurteile die folgende Aussage: „Wenn man das Signifikanzniveau von \(\alpha = 5\,\%\) auf \(\alpha = 1\,\%\) senkt, wird es schwieriger, eine Erfolgsrate über dem Referenzwert statistisch zu stützen, und die maximale Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art sinkt.“ c) Ein Test mit \(n = 100\) Pflanzen liefert ein Ergebnis, das nicht im Ablehnungsbereich von \(H_0\) liegt. Darf man daraus zwingend schließen, dass der Anteil der Pflanzen mit der gewünschten Wuchshöhe tatsächlich nur \(80\,\%\) oder weniger beträgt? Begründe deine Entscheidung unter Verwendung eines Fachbegriffs.

Denkanstöße

- Welche Parameterwerte gehören zu der Aussage, die mit den Daten statistisch gestützt werden soll? - Was passiert mit der Größe des Ablehnungsbereichs, wenn man die Irrtumswahrscheinlichkeit \(\alpha\) verringert? - Bedeutet das Ausbleiben eines Beweises für eine Theorie automatisch, dass das Gegenteil wahr ist?

Lösung

1. Um statistische Evidenz für eine Erfolgsrate über \(80\,\%\) zu erhalten, wird \(H_0:p\le0{,}8\) gegen \(H_1:p>0{,}8\) getestet. Wird \(H_0\) abgelehnt, sprechen die Daten für eine Erfolgsrate über dem Referenzwert; daraus folgt noch keine Aussage darüber, wodurch ein Unterschied verursacht wurde. 2. Ein kleineres Signifikanzniveau führt beim üblichen einseitigen Test zu einem kleineren Ablehnungsbereich, sodass extremere Stichprobenergebnisse nötig sind, um \(H_0\) abzulehnen. Gleichzeitig sinkt die maximal zulässige Wahrscheinlichkeit, eine wahre Nullhypothese fälschlich abzulehnen. Das Signifikanzniveau ist jedoch keine nachträgliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass die konkrete Schlussfolgerung wahr ist. 3. Aus der Nichtablehnung von \(H_0\) darf man nicht auf die Wahrheit von \(H_0\) schließen. Ein Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs bedeutet nur, dass die Daten für eine Ablehnung auf dem gewählten Niveau nicht ausreichen. Tatsächlich könnte \(p>0{,}8\) gelten; dann kann ein Fehler 2. Art auftreten.

Antwort

a) \(H_0: p \le 0{,}8\) b) Die Aussage ist richtig: Ein kleineres \(\alpha\) erhöht beim üblichen einseitigen Test die Hürde für die Ablehnung von \(H_0\) und senkt gleichzeitig die maximal zulässige Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art; daraus folgt keine nachträgliche Wahrheitswahrscheinlichkeit. c) Nein, da ein Fehler 2. Art vorliegen kann. Das Nicht-Ablehnen von \(H_0\) ist kein Beweis für deren Richtigkeit, sondern nur ein Mangel an Beweisen für \(H_1\).
42732012
Beurteile die folgenden Aussagen im Kontext von Hypothesentests auf ihre Korrektheit und begründe deine Entscheidung kurz. a) „Wählt man für einen Test ein kleineres Signifikanzniveau \(\alpha\), so verringert sich bei gleichbleibendem Stichprobenumfang stets auch die Wahrscheinlichkeit für Fehler 2. Art.“ b) „Die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art entspricht bei diskreten Verteilungen wie der Binomialverteilung in der Regel nicht exakt dem vorgegebenen Signifikanzniveau \(\alpha\).“ c) „Durch eine Vergrößerung des Stichprobenumfangs \(n\) lassen sich bei konstantem Signifikanzniveau die Wahrscheinlichkeiten für Fehler 1. Art und Fehler 2. Art gleichzeitig minimieren.“

Denkanstöße

- Wie verändert ein strengeres nominales Signifikanzniveau den Ablehnungsbereich? - Kann eine diskrete Verteilung jede beliebige vorgegebene Randwahrscheinlichkeit exakt treffen? - Unterscheide das vorgegebene Signifikanzniveau von der tatsächlich erreichten Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art. - Überlege für einen festen konkreten Alternativwert, wie mehr Beobachtungen die Trennbarkeit der beiden Parameterwerte beeinflussen.

Lösung

1. Aussage a) ist falsch. Ein kleineres nominales Signifikanzniveau führt bei gleichem \(n\) zu einem strengeren Ablehnungsbereich. Für einen festen konkreten Alternativwert wird \(H_0\) dadurch schwerer abgelehnt; bei den üblichen geschachtelten einseitigen Tests steigt daher die Wahrscheinlichkeit \(\beta\) für Fehler 2. Art. 2. Aussage b) ist wahr. Wegen der diskreten Binomialverteilung kann der Rand des Ablehnungsbereichs nur ganzzahlig verschoben werden. Die tatsächlich erreichte Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art liegt deshalb in der Regel unter dem vorgegebenen Signifikanzniveau und ist nicht exakt gleich groß. 3. Aussage c) ist in dieser pauschalen Form falsch. Bei fest vorgegebenem Signifikanzniveau wird die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art begrenzt; ein größeres \(n\) senkt sie nicht automatisch. Für einen festen konkreten Alternativwert kann ein größeres \(n\) die Wahrscheinlichkeit für Fehler 2. Art deutlich senken. Wegen der diskreten Wahl des Ablehnungsbereichs kann sich die tatsächlich erreichte Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art ebenfalls verändern, eine automatische gleichzeitige Minimierung beider Fehlerwahrscheinlichkeiten folgt daraus aber nicht.

Antwort

a) Falsch. Bei gleichem \(n\) vergrößert ein strengeres Signifikanzniveau für einen festen konkreten Alternativwert im Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit \(\beta\) für Fehler 2. Art. b) Wahr. Wegen der diskreten Binomialverteilung wird das vorgegebene Signifikanzniveau mit dem tatsächlich erreichten Fehler-1.-Art-Risiko meist unterschritten statt exakt getroffen. c) Falsch in dieser pauschalen Form. Ein größeres \(n\) kann bei festem nominalem Signifikanzniveau die Wahrscheinlichkeit für Fehler 2. Art senken, minimiert aber nicht automatisch beide Fehlerwahrscheinlichkeiten zugleich.
43451312
Für \(H_0:p\le0{,}3\) zeigt die Abbildung die Gütefunktionen \(G_A\) und \(G_B\) zweier rechtsseitiger Tests mit unterschiedlichen Stichprobenumfängen. a) Welcher Graph gehört zum größeren Stichprobenumfang? Begründe. b) Schätze für beide Tests die maximale Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art am Randwert \(p_0=0{,}3\). c) Für den konkreten Alternativwert \(p_1=0{,}45\): Welcher Test hat die kleinere Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 2. Art?
Abbildung zur Aufgabe 434513

Denkanstöße

- Welche Kurve wechselt schneller von kleiner zu großer Ablehnungswahrscheinlichkeit? - Wo liegt der Randwert der Nullhypothese? - Wie hängt \(\beta\) beim konkreten Alternativwert mit \(G(p_1)\) zusammen?

Lösung

1. \(G_B\) verläuft steiler und gehört zum größeren Stichprobenumfang, weil die Testentscheidung bei größerem \(n\) trennschärfer wird. 2. Am Randwert liest man \(G_A(0{,}3)\approx0{,}05\) und \(G_B(0{,}3)\approx0{,}05\). Beide Fehler-1.-Art-Wahrscheinlichkeiten liegen also nahe \(5\,\%\). 3. Bei \(p_1=0{,}45\) ist \(G_A\approx0{,}65\) und \(G_B\approx0{,}90\). Daher ist \(\beta_A\approx0{,}35\) und \(\beta_B\approx0{,}10\). Test B ist besser geeignet.

Antwort

a) \(G_B\) b) Beide etwa \(5\,\%\) c) Test B; \(\beta_B\approx0{,}10<\beta_A\approx0{,}35\).
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Eine Stadtbibliothek untersucht den aktuellen Anteil \(p\) der Bevölkerung, der eine Sonntagsöffnung unterstützt. In einer Zufallsstichprobe von \(300\) Personen unterstützen genau \(165\) die Sonntagsöffnung. Die Antworten werden als unabhängig mit einer konstanten Unterstützungswahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Vor der Erhebung wurden zwei verschiedene einseitige Tests festgelegt: Test A: \(H_{0,A}:p\ge0{,}60\) gegen \(H_{1,A}:p<0{,}60\) mit \(K_A=\{0;1;\dots;165\}\). Am Randwert beträgt die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art etwa \(4{,}43\,\%\). Test B: \(H_{0,B}:p\le0{,}50\) gegen \(H_{1,B}:p>0{,}50\) mit \(K_B=\{165;166;\dots;300\}\). Am Randwert beträgt die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art etwa \(4{,}70\,\%\). Ein Ausschussmitglied sagt: „Dass derselbe Wert \(165\) in beiden Ablehnungsbereichen liegt, ist ein Widerspruch. Die beiden Tests können nicht gleichzeitig korrekt sein.“ Eine Zeitung schreibt dagegen: „Beide Nullhypothesen wurden auf dem \(5\,\%\)-Niveau abgelehnt. Damit ist mit mindestens \(95\,\%\) Wahrscheinlichkeit bewiesen, dass \(0{,}50<p<0{,}60\) gilt.“ a) Triff für beide Tests die Testentscheidung und erkläre, warum die beiden Entscheidungen einander nicht widersprechen. b) Formuliere die stärkste gemeinsame statistische Aussage, die durch die beiden vorab festgelegten Tests gestützt wird. c) Beurteile die Wahrscheinlichkeitsaussage der Zeitung. d) Erkläre, warum auch \(4{,}43\,\%+4{,}70\,\%\) nicht als Wahrscheinlichkeit dafür interpretiert werden darf, dass die gemeinsame Aussage aus b) falsch ist.

Denkanstöße

- Vergleiche den beobachteten Wert getrennt mit \(K_A\) und \(K_B\); Ablehnungsbereiche verschiedener Tests dürfen sich überschneiden. - Übersetze jede Ablehnung zuerst in die zugehörige Gegenhypothese, bevor du beide Aussagen zusammenführst. - Frage bei jeder Prozentangabe, unter welcher Voraussetzung sie berechnet wurde und welches Zufallsereignis sie beschreibt. - Unterscheide statistische Evidenz für einen Parameterbereich von einer Wahrscheinlichkeit dafür, dass der unbekannte Parameter in diesem Bereich liegt.

Lösung

1. Der beobachtete Wert \(165\) liegt sowohl in \(K_A\) als auch in \(K_B\). Daher werden \(H_{0,A}\) und \(H_{0,B}\) abgelehnt. 2. Die beiden Gegenhypothesen widersprechen sich nicht: Test A liefert statistische Evidenz für \(p<0{,}60\), Test B für \(p>0{,}50\). Beide Richtungen können gleichzeitig gelten. 3. Gemeinsam stützen die beiden Tests daher die Aussage, dass \(p\) zwischen \(0{,}50\) und \(0{,}60\) liegt. Das ist eine Schlussfolgerung aus zwei Testentscheidungen, kein Beweis und keine Wahrscheinlichkeitsaussage über den unbekannten Parameter. 4. Die Werte \(4{,}43\,\%\) und \(4{,}70\,\%\) sind bedingte Wahrscheinlichkeiten für Fehler 1. Art bei zwei verschiedenen Randwerten und zwei verschiedenen Nullhypothesen. Keiner der Werte ist die nachträgliche Wahrscheinlichkeit, dass eine Hypothese oder eine Parameterbehauptung falsch ist. 5. Deshalb bedeutet die Ablehnung beider Nullhypothesen insbesondere nicht, dass \(P(0{,}50<p<0{,}60)\ge0{,}95\) gilt. Ebenso ist die Summe der beiden Fehlerwahrscheinlichkeiten keine Wahrscheinlichkeit dafür, dass die gemeinsame Interpretation falsch ist.

Antwort

a) Beide Nullhypothesen werden abgelehnt, weil \(165\in K_A\) und \(165\in K_B\). Das ist kein Widerspruch: Die Gegenhypothesen \(p<0{,}60\) und \(p>0{,}50\) können gleichzeitig gelten. b) Die Daten liefern in den beiden vorab festgelegten Tests statistische Evidenz für \(p<0{,}60\) und zugleich für \(p>0{,}50\), also für einen Wert zwischen \(0{,}50\) und \(0{,}60\). Das ist kein Beweis. c) Die Aussage „mit mindestens \(95\,\%\) Wahrscheinlichkeit“ ist unzulässig. Das Signifikanzniveau ist keine nachträgliche Wahrscheinlichkeit für den unbekannten Parameter oder für die Wahrheit einer Hypothese. d) Auch die Summe \(4{,}43\,\%+4{,}70\,\%\) hat diese Bedeutung nicht. Die beiden Werte sind bedingte Fehlerwahrscheinlichkeiten verschiedener Tests unter verschiedenen Randwerten.

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