Ein Übergangsprozess besitzt die Zustände A, B und C. Es gilt die Konvention „Spalten = Ausgangszustände, Zeilen = Zielzustände“.
Bekannt ist:
- Von A gehen \(40\,\%\) nach C; die übrigen \(60\,\%\) verteilen sich auf A und B.
- Von C gehen \(10\,\%\) nach A; die übrigen \(90\,\%\) verteilen sich auf B und C.
- Die Verteilung der Übergänge von B ist unbekannt.
- \(\vec{v}=\begin{pmatrix}20\\30\\40\end{pmatrix}\) ist ein Fixvektor.
- Für \(\vec{w}=\begin{pmatrix}50\\20\\30\end{pmatrix}\) wird nach einem Übergang \(\vec{w}'=\begin{pmatrix}32\\25\\43\end{pmatrix}\) beobachtet.
a) Führe vier geeignete Variablen ein und stelle die allgemein mögliche Übergangsmatrix einschließlich der Bedingungen auf, die ihre Einträge als Übergangsanteile erfüllen müssen.
b) Leite aus der Fixvektorbedingung und aus \(M\vec{w}=\vec{w}'\) vier unabhängige Gleichungen für deine Variablen her. Erkläre, warum die jeweils dritte Komponentengleichung keine zusätzliche unabhängige Information liefert.
c) Bestimme die Übergangsmatrix \(M\) eindeutig und prüfe beide gegebenen Vektorbedingungen.
d) Angenommen, bei \(\vec{w}'\) wäre nur die A-Komponente \(32\) bekannt, die B-Komponente \(25\) dagegen nicht. Zeige durch zwei verschiedene gültige Übergangsmatrizen, dass die Rekonstruktion dann nicht mehr eindeutig wäre.
Denkanstöße
- Nutze die Spaltensummen schon beim Aufstellen der allgemeinen Matrix, damit nicht für jeden Eintrag eine eigene Variable nötig ist.
- Prüfe zusätzlich, welche Ungleichungen aus der Bedeutung der Matrixeinträge als Übergangsanteile folgen.
- Aus jeder Vektorgleichung reichen wegen der erhaltenen Gesamtsumme zwei unabhängige Komponentengleichungen.
- Löse die vier unabhängigen linearen Gleichungen erst, bevor du die Matrix vollständig einsetzt und prüfst.
- Für Teil d) genügt es nicht zu behaupten, dass eine Gleichung fehlt: Konstruiere zwei verschiedene stochastische Matrizen, die alle verbleibenden Angaben tatsächlich erfüllen.
Lösung
1. Setze \(a=A\to A\), \(b=B\to A\), \(c=B\to B\) und \(d=C\to B\). Aus den Spaltensummen folgt
\(M=\begin{pmatrix}a&b&0{,}1\\0{,}6-a&c&d\\0{,}4&1-b-c&0{,}9-d\end{pmatrix}\).
Damit alle Einträge Übergangsanteile sind, gelten \(0\le a\le0{,}6\), \(b\ge0\), \(c\ge0\), \(b+c\le1\) und \(0\le d\le0{,}9\).
2. Aus \(M\vec{v}=\vec{v}\) liefern die ersten beiden Komponenten
\(20a+30b+4=20\) und \(20(0{,}6-a)+30c+40d=30\).
Aus \(M\vec{w}=\vec{w}'\) liefern die ersten beiden Komponenten
\(50a+20b+3=32\) und \(50(0{,}6-a)+20c+30d=25\).
Da jede Spalte von \(M\) die Summe \(1\) hat, bleibt die Gesamtsumme eines Zustandsvektors erhalten. Sobald zwei Komponenten und die Gesamtsumme feststehen, ist die dritte Komponente bestimmt; deshalb ist die jeweilige dritte Gleichung abhängig.
3. Aus den Gleichungen folgt \(a=0{,}5\), \(b=0{,}2\), \(c=0{,}4\), \(d=0{,}4\). Damit
\(M=\begin{pmatrix}0{,}5&0{,}2&0{,}1\\0{,}1&0{,}4&0{,}4\\0{,}4&0{,}4&0{,}5\end{pmatrix}\).
Es gilt tatsächlich \(M\vec{v}=\begin{pmatrix}20\\30\\40\end{pmatrix}\) und \(M\vec{w}=\begin{pmatrix}32\\25\\43\end{pmatrix}\).
4. Fehlt die B-Komponente von \(\vec{w}'\), ergeben die verbleibenden Bedingungen \(a=0{,}5\), \(b=0{,}2\) und \(c=\frac{14}{15}-\frac43d\). Beispielsweise sind sowohl
\(M_1=\begin{pmatrix}0{,}5&0{,}2&0{,}1\\0{,}1&0{,}4&0{,}4\\0{,}4&0{,}4&0{,}5\end{pmatrix}\)
als auch
\(M_2=\begin{pmatrix}0{,}5&0{,}2&0{,}1\\0{,}1&0{,}6&0{,}25\\0{,}4&0{,}2&0{,}65\end{pmatrix}\)
gültige Übergangsmatrizen. Beide erfüllen \(M\vec{v}=\vec{v}\) und liefern für \(M\vec{w}\) die A-Komponente \(32\), sind aber verschieden. Die Rekonstruktion wäre also nicht eindeutig.
Antwort
a) \(M=\begin{pmatrix}a&b&0{,}1\\0{,}6-a&c&d\\0{,}4&1-b-c&0{,}9-d\end{pmatrix}\) mit \(0\le a\le0{,}6\), \(b,c\ge0\), \(b+c\le1\) und \(0\le d\le0{,}9\).
b) \(20a+30b+4=20\), \(20(0{,}6-a)+30c+40d=30\), \(50a+20b+3=32\), \(50(0{,}6-a)+20c+30d=25\). Die dritten Komponentengleichungen sind wegen der erhaltenen Gesamtsumme abhängig.
c) \(M=\begin{pmatrix}0{,}5&0{,}2&0{,}1\\0{,}1&0{,}4&0{,}4\\0{,}4&0{,}4&0{,}5\end{pmatrix}\); beide Vektorbedingungen werden erfüllt.
d) Zum Beispiel sind bei fehlender B-Komponente sowohl \(M_1=M\) als auch \(M_2=\begin{pmatrix}0{,}5&0{,}2&0{,}1\\0{,}1&0{,}6&0{,}25\\0{,}4&0{,}2&0{,}65\end{pmatrix}\) möglich. Daher ist die Rekonstruktion nicht eindeutig.