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Modellgrenzen und Annahmen beurteilen

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In einem Labor wird das Wachstum einer Bakterienkultur in einer Petrischale untersucht. Die Masse der Kultur in Gramm wird durch eine Funktion \(m(t)\) beschrieben, wobei \(t\) die Zeit in Stunden angibt. a) Welche physikalischen Einheiten besitzen die Ableitungen \(m'(t)\) und \(m''(t)\)? Erläutere ihre Bedeutung für den Wachstumsprozess. b) In der frühen Phase des Wachstums wird oft das Modell \(m'(t) = km(t)\) mit einer Konstanten \(k > 0\) verwendet. Erläutere die biologische Annahme, die hinter dieser Gleichung steht. c) In einem späteren Stadium erreicht die Kultur eine Sättigungsgrenze. Bei einem typischen logistischen Verlauf wechselt \(m''\) an einem Zeitpunkt mit \(m''(t)=0\) das Vorzeichen. Erkläre die besondere Bedeutung dieses Zeitpunkts. d) Warum kann das Modell \(m'(t) = km(t)\) die Masse der Bakterien über einen langen Zeitraum nicht korrekt beschreiben?

Denkanstöße

- Welche Einheiten entstehen, wenn man eine Größe nach der Zeit ableitet? - Überlege dir, was es bedeutet, wenn doppelt so viele Bakterien auch doppelt so viel Nachwuchs produzieren. - Was passiert mit der Steigung einer Kurve an einem Wendepunkt? - Kann etwas in einem abgeschlossenen Raum (wie einer Petrischale) ewig gleichmäßig weiterwachsen?

Lösung

1. Einheiten und Bedeutung: \(m'(t)\) wird in \(\text{g}/\text{h}\) gemessen und stellt die momentane Zuwachsrate der Masse dar. \(m''(t)\) wird in \(\text{g}/\text{h}^2\) gemessen und gibt an, wie sich die Zuwachsrate über die Zeit verändert. 2. Biologische Annahme: Die Gleichung \(m'(t) = km(t)\) besagt, dass die Änderung der Masse proportional zur vorhandenen Masse ist. Dies entspricht der Annahme, dass jedes Bakterium mit einer konstanten Rate zur Vermehrung beiträgt (ungehindertes exponentielles Wachstum). 3. Bedeutung von \(m''(t) = 0\): Beim beschriebenen logistischen Verlauf markiert dieser Zeitpunkt wegen des Vorzeichenwechsels den Wendepunkt des Graphen. Hier ist die Wachstumsgeschwindigkeit \(m'(t)\) maximal. Danach beginnt das Wachstum sich zu verlangsamen. 4. Modellgrenzen: Exponentielles Wachstum setzt unbegrenzte Ressourcen voraus. In der Realität führen begrenzter Platz, Nährstoffmangel oder die Anreicherung von Stoffwechselprodukten dazu, dass das Wachstum abnimmt und stagniert.

Antwort

a) \(m'(t)\) in \(\text{g}/\text{h}\) (Wachstumsrate); \(m''(t)\) in \(\text{g}/\text{h}^2\) (Änderung der Wachstumsrate). b) Die vorhandene Bakterienmasse wächst proportional zu ihrer aktuellen Größe; dies entspricht einer konstanten individuellen Teilungsrate. c) Es ist der Zeitpunkt des schnellsten Wachstums (Übergang von Beschleunigung zu Verlangsamung). d) Ressourcen wie Platz und Nahrung sind in der Realität begrenzt, was das Wachstum irgendwann stoppt.
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Die Konzentration eines Medikaments im Blut eines Patienten kann nach der Einnahme näherungsweise durch die Funktion \(c\) mit \(c(t) = \frac{12t}{t^2 + 4}\) beschrieben werden (\(t\) in Stunden nach der Einnahme, \(c(t)\) in \(\text{mg}/\text{l}\)). a) Bestimme mithilfe des Graphen oder durch Rechnung den Zeitpunkt, zu dem die Konzentration ihren Maximalwert erreicht. Wie hoch ist diese maximale Konzentration? b) Das Medikament gilt als wirksam, solange die Konzentration mindestens \(1{,}5\,\text{mg}/\text{l}\) beträgt. Ermittle graphisch den Zeitraum der Wirksamkeit. c) Diskutiere die Grenzen dieses mathematischen Modells. Gehe dabei insbesondere auf das Verhalten für sehr große Zeitwerte (\(t \to \infty\)) ein und überlege, ob der Wirkstoff im Körper tatsächlich so reagiert, wie es die Funktion vorgibt.
Abbildung zur Aufgabe 434886

Denkanstöße

- Für Aufgabenteil a) hilft dir die notwendige Bedingung für Extremstellen weiter. - Schau dir für b) im Graphen an, in welchem Bereich die Kurve oberhalb der Linie \(y = 1{,}5\) verläuft. - Überlege dir für c), was mit der Konzentration nach mehreren Tagen laut Formel passiert und ob das biologisch sinnvoll ist. - Denke bei der Kritik am Modell auch an den Startzeitpunkt \(t=0\).

Lösung

1. Zur Bestimmung des Maximums wird die erste Ableitung gebildet: \(c'(t) = \frac{12(t^2+4) - 12t(2t)}{(t^2+4)^2} = \frac{48 - 12t^2}{(t^2+4)^2}\). 2. Die Bedingung \(c'(t) = 0\) führt auf \(48 - 12t^2 = 0\), also \(t^2 = 4\). Da \(t > 0\), ist der Zeitpunkt des Maximums \(t = 2\,\text{Stunden}\). 3. Die maximale Konzentration beträgt \(c(2) = \frac{12 \cdot 2}{2^2 + 4} = \frac{24}{8} = 3\,\text{mg}/\text{l}\). 4. Für die Wirksamkeitsgrenzen löst man \(12t = 1{,}5(t^2 + 4)\). Daraus folgt \(t^2 - 8t + 4 = 0\) und damit \(t = 4 \pm 2\sqrt{3}\). Näherungsweise gilt \(t_1 \approx 0{,}54\) und \(t_2 \approx 7{,}46\). Das Medikament ist somit etwa im Intervall \([0{,}54; 7{,}46]\) wirksam; die Wirkungsdauer beträgt ca. \(6{,}93\,\text{Stunden}\). 5. Modellgrenzen: Für \(t \to \infty\) strebt \(c(t)\) gegen \(0\). Das Modell beschreibt den Abbau durch eine glatte, idealisierte Kurve und berücksichtigt weder individuelle Faktoren wie Stoffwechselrate und Körpergewicht noch komplexe Aufnahme- und Ausscheidungsprozesse.

Antwort

a) Die maximale Konzentration wird nach \(2\,\text{Stunden}\) erreicht und beträgt \(3\,\text{mg}/\text{l}\). b) Das Medikament ist etwa von \(t \approx 0{,}54\) bis \(t \approx 7{,}46\) Stunden wirksam, also für ca. \(6{,}93\,\text{Stunden}\). c) Das Modell ist eine Vereinfachung. Es nähert sich langfristig der Konzentration \(0\) an und bildet individuelle Schwankungen sowie komplexe Aufnahme- und Abbauprozesse nur grob ab.

Alle Aufgaben dürfen für Schule und Nachhilfe (auch im Rahmen bezahlter Nachhilfe) kostenlos genutzt, kopiert und ausgedruckt werden. Nicht gestattet sind kommerzielle Bearbeitungen sowie die Veröffentlichung oder Weiterverbreitung im Internet.